BLOG no 6 von Roma Maria Mukherjee

22. August 2020Blog

Die 7. „Lange Nacht der Literatur“ in Hamburg

Lesungen in der ganzen Stadt verteilt, kreuz und quer durch Hamburg fahren, laufen, literarische Orte überall: Das ist das Konzept der „Langen Nacht der Literatur“ seit 2014, immer am 1. Samstag im September. In diesen unseren Zeiten eine Herausforderung, die Nacht auch in diesem Jahr mit Kompromissen und kreativen Lösungen umzusetzen.

Insofern überrascht es nicht, dass dieses Jahr weniger Veranstaltungen stattfinden werden als im Vorjahr. Dennoch gibt es ein stolzes Programm und die Quantität wird durch das Engagement der Hamburger Literaturszene ausgeglichen: Am 05. September 2020 gehört die Stadt der Literatur und den Büchern. Nicht nur die Stadt wird erobert – es gibt auch virtuelle Veranstaltungen. So öffnet sich diese regionale lange Nacht auch all’ denjenigen, die an anderen Orten Deutschlands und der Welt des Nächtens in Begegnung mit Autor*innen, Buchhandlungen und Leser*innen kommen möchten. Das gesamte Programm findet ihr hier im Netz: http://www.langenachtderliteratur.de/index.php – section-program

Programm gibt es aber nicht nur in der Dunkelheit, denn tagsüber läuft in Hamburg schon die Indiecon 2020 (Independent Publishing Festival) im Oberhafen, sondern auch literarisches Programm für die Kleinen und Großen. So zum Beispiel am Nachmittag im Taucher-Zentrum-Hamburg – dort findet eine Lesung für Kinder statt mit Gerhard Wegner.

Der Lesesaal hingegen setzt seinen Weg in die virtuelle Welt an diesem Abend fort. Wie in jedem Jahr gibt es bei uns eine Lesung mit einer Autorin aus dem Gastland in Frankfurt. Dieses Jahr ist es Kanada. Kanada wird dieses Jahr aufgrund der Einschränkungen nicht in der Art und Weise vor Ort sein können, wie alle anderen Gastländer das in den Vorjahren praktiziert haben, sondern hauptsächlich virtuell. Der geplante Gastauftritt wird im kommenden Jahr nachgeholt. Kanada hat also zwei Jahre den Status des Gastlandes. Das Internet macht jedoch möglich, eine Lesung mit einer kanadischen Autorin unkompliziert stattfinden zu lassen: bei Instagram Live.

Um 18.00 Uhr deutscher Zeit liest und spricht Michelle Winters aus/über ihren Debütroman „Ich bin ein Laster“ in unserem Instagram-Account https://instagram.com/lesesaal_hamburg?igshid=59d06ppsjp3r

Die Lesung findet in englischer Sprache statt (der englische Titel lautet „I am a truck“ und ist 2016 erschienen), Stephanie Krawehl moderiert.  Wir freuen uns sehr, dass wir von der Tradition, einen Beitrag aus dem Gastland der Buchmesse präsentieren zu können, nicht abweichen müssen. Da bei Veranstaltungen vor Ort Abstandsregeln eingehalten werden müssten, können wir virtuell viel mehr Zuschauer*innen die Gelegenheit geben, die Autorin live zu erleben.

Zur Autorin: Michelle Winters lebt in Toronto und ist als Autorin, Malerin und Übersetzerin tätig. In ihrem Erstlingswerk geht es um eine skurrile Liebesbeziehung, einen Kriminalfall, kuriose Wendungen und die Spannung zwischen französischem Folk und kanadischem Rock. Lasst euch mitreißen, wenn die Autorin aus dieser außergewöhnlichen Geschichte liest. 

Der Roman „Ich bin ein Laster“ ist im März 2020 bei Wagenbach erschienen – auch hier gilt wieder die Kampagne #zweiterfruehling. Der Roman wurde aus dem kanadischen Englisch von Barbara Schaden übersetzt. Die schöne Ausgabe in der Reihe Salto hat 144 Seiten, ist in rotes Leinen gebunden mit Lesebändchen und Prägung – auch für die Augen und haptisch ein Genuss!

Wir freuen uns auf euren virtuellen Besuch am Samstag, den 05.09.2020 um 18.00 Uhr auf unserem Instagram-Account und wünschen euch viel Vergnügen bei der #LNDLHH20.

Roma Maria Mukherjee

BLOG no 5 von Roma Maria Mukherjee

15. August 2020Blog

#womenintranslation

Seit 2014 ist der Monat August der #WITmonth – „womenintranslation month“ (was so viel heißt wie „Monat der übersetzten Autorinnen“). Diese Initiative geht zurück auf die Buchbloggerin Meytal Radzinski. Diese stellte fest, dass die Übersetzungen weiblicher Autorinnen auf dem Buchmarkt und in der Branche einige Probleme haben, wenn sie nicht in englischer Sprache schreiben. Für viele Betroffene gestaltet es sich als schwierig, einen Verlag und eine entsprechende exzellente Übersetzung im englischsprachigen Raum zu finden – um das kurz auf einen Nenner zu bringen. Im Netz gibt es einige ganz hervorragende Beiträge zu dem Ursprung dieser Aktion. In englischer Sprache gibt dazu einen Beitrag, unter vielen, von 2019 von Aaron Robertson bei Literary Hub https://lithub.com/welcome-to-women-in-translation-month/.

Auch in Deutschland berichten einige Blogger*innen über diese Initiative und deren aus den vergangenen Jahren stammenden Beiträge lassen sich einfach per Suchmaschine unter Verwendung der beiden genannten Hashtags finden.

Die Lesesaal Buchhandlung möchte diese wichtige Initiative von Meytal Radzinski in einem erweiterten Kontext für den deutschsprachigen Raum verbreitet wissen. Die 2014 von der Bloggerin beobachtete Problematik gilt gewiss auch für den deutschsprachigen Markt, in dem es selbst Schriftstellerinnen in Landessprache schwerer haben verlegt zu werden als ihre männlichen Kollegen. Die wichtige Übersetzungsarbeit wird auch sehr häufig nicht genannt, nicht ausreichend gewürdigt und die Übersetzer*innen sind sehr oft leider viel zu unbekannt. Auch hier scheint es so, als wären die weiblichen Übersetzerinnen von dieser Unsichtbarkeit deutlich häufiger betroffen. Das gesamte Phänomen wurde auch sehr ausführlich in einem Zeit-Artikel aus 2016 von Katy Derbyshire beleuchtet. Der Titel lautet: „Der Literaturbetrieb hat ein Problem mit Frauen“.

Das Team vom Lesesaal beobachtet die Literaturbranche genau und stellt fest, dass dieses Problem auch 2020 leider unverändert weiter besteht. Es uns ein Anliegen, ein kleines Stück dazu beizutragen, dass sich daran endlich etwas ändert.

Für den Beitrag zum #WITmonth gibt es hier ein Werk, was sich durch die Aufmachung der Original-Ausgabe und der deutschen Übersetzung wunderbar eignet, um es an dieser Stelle zu zeigen. Wenn ihr euch das beigefügte Foto anseht, dann werdet ihr auf einen Blick erkennen, weshalb. Zunächst aber etwas zum Buch, zur Autorin und zur Übersetzerin.

Das Herz einer Honigbiene hat fünf Öffnungen. Über das Jahr, in dem ich Imkerin wurde“ von Helen Jukes. Das Buch ist aus dem Englischen übersetzt worden von Sofia Blind und die deutsche Übersetzung ist 2018 bei DuMont erschienen (304 Seiten, € 12,00 als TB). Helen Jukes wurde 1984 geboren, hat ein Psychologie-Studium absolviert und arbeitet unter anderem auch journalistisch. Außerdem engagiert sie sich leidenschaftlich für das Wohl der Bienen und der Natur.

 

Zum Inhalt des Buches:

Ohne einen Ort, der sich nach Heimat anfühlt, verliert man Halt im Leben. Ständige Umzüge, wechselnde Liebesbeziehungen, Architektur ohne Seele und Räume ohne Pflanzen – das zermürbt. Dann bekommt Helen Jukes unerwartet eine Bienenkolonie geschenkt. Diese Inobhutnahme verändert ihr Leben von Grund auf. Wodurch dies genau geschieht und wie sie ihr Leben neugestaltet – dafür empfehlen wir euch die Lektüre von diesem Werk.

 

Wie immer interessieren uns eure Ansichten sehr. Kanntet ihr den #WITmonth schon? Vielleicht habt ihr ja darüber auch schon selbst geschrieben oder den Hashtag genutzt. Schreibt uns doch einfach über die sozialen Medien oder lasst uns im Laden und auf anderen Wegen wissen, ob ihr die Problematik des Literaturbetriebs mit Frauen auch wahrnehmt, erlebt oder wie euer Eindruck dazu ist.

Roma Maria Mukherjee

 

BLOG no 4 von Roma Maria Mukherjee

4. August 2020Blog

Die Liebe zu Büchern

In einer Buchhandlung stehen Bücher im Mittelpunkt. Zunächst sind diese ’nur‘ Produkte, welche zum Verkauf stehen. Aber sind literarische Werke wirklich nur Waren wie Klopapier, Bleistifte oder Kaffeetassen? Vermutlich schütteln hier nicht nur Buchhändlerinnen und Buchhändler, sondern auch die meisten Beteiligten im Literaturbetrieb sowie die zahlreichen Leserinnen und Leser energisch den Kopf.

In den vergangenen Wochen gab es in den Feuilletons, in den sozialen Medien und in diversen Blogs einen Diskurs über die Rolle der Literaturkritik in der heutigen Zeit. Auf der einen Seite befänden sich die heterogenen Positionen von Literaturblogger*innen, die mehr über Befindlichkeiten schrieben als dezidierte Literaturanalyse betreiben würden, und auf der anderen Seite die Riege der Literaturkritiker*innen, die die Werke mit einer ihnen zugeschriebenen Distanz unter die Lupe nähmen und somit eine wichtigere Rolle in der Welt der Literaturvermittlung einnehmen würden.

Gibt es diesen vermeintlichen Gegensatz wirklich oder stehen sich beide Seiten nicht an und für sich viel näher, als dies die mediale Auseinandersetzung suggeriert? Sind nicht alle durch die gemeinsame Liebe zu den Büchern, der Literatur und dem geschriebenen Wort vereint?

Laut einem Online-Artikel des Börsenblattes aus dem Juni 2019 markierte das Jahr 2018 nach einer langen und entbehrungsreichen Zeit eine Trendwende in der deutschen Buchbranche. Die Zahl der Buchkäufer*innen stieg im 6-stelligen Bereich, die Umsätze blieben stabil und die Tendenz für das vergangene Jahr war steigend. 2020 kam dann die Pandemie und wirbelte die gesamte Welt auf eine noch nicht gekannte Weise durcheinander. Ist dieses besondere Jahr ein guter Zeitpunkt für den Literaturbetrieb, um Differenzlinien der verschiedenen Beteiligten zu verstärken oder sollte der Fokus nicht lieber auf den Leistungen aller Engagierten liegen? Verliert der etablierte Literaturbetrieb an Bedeutung durch die Aktivitäten von Blogger*innen oder Aktivist*innen in den Sozialen Medien?

Wir meinen, dass alle Bemühungen um die Vermittlung von Literatur ihren Platz haben. Die eigentliche Bedeutung eines Werkes entsteht ja dadurch, dass es wahrgenommen und gelesen wird. Dazu braucht es Publikum. Dieses Publikum ist naturgemäß heterogen, liest aus unterschiedlichen Gründen zu verschiedenen Anlässen und hat somit auch viele verschiedene Bedürfnisse. Die literaturwissenschaftlich interessierte Leserschaft schätzt sicher auch weiterhin dezidierte literaturkritische Zeitungsartikel. Instagram-Nutzer freuen sich vielleicht auch über den Tipp der Woche eines Accounts, dem sie oder er folgen und dessen Empfehlung sie anlässlich eines Geburtstages beispielsweise verschenken möchten. Vielleicht ist eben dieses Posting mit dem Stichwort „leicht und schnell zu lesen“ die Motivation, dieses Buch in die Kaufentscheidung mit einzubeziehen. Oder jemand sucht Literatur zu einem bestimmten Ort, um sich für eine Reise einzustimmen, dass über die Suche bei Google auf einen ausführlichen Blogbeitrag hinweist, der darüber hinaus auch noch viele andere unterhaltsame Inhalte für die Suchenden aufweist. Vielleicht kommen Suchende und Bloggende über die Kommunikationsfunktion eines Beitrags auch noch mit einander in Kontakt und haben weiterführenden Austausch als nur die sachliche Analyse oder Bewertung eines Textes.

Die Diskussion über das „Entweder-Oder“ erinnert ein wenig an die Debatten über die Kategorien „Unterhaltung“ oder „Ernsthaftigkeit“. Zum Glück sind aber sowohl Bücher, Verlage, Tätigkeiten im Literaturbetrieb und natürlich auch Buchhandlungen und Leser*innen vielfältig. Für alle gibt es einen Platz, eine Berechtigung und hoffentlich auch weiterhin viele neue Bücher.

Wie immer freuen wir uns, wenn ihr mit uns in Kontakt tretet. Kommt vorbei, schreibt uns via Social Media oder kontaktiert uns per Mail. Lasst uns gerne wissen, wie eure Ansichten zu dem Thema sind. Wir wünschen euch eine angenehme Woche!

Roma Maria Mukherjee

 

 

BLOG no 3 von Roma Maria Mukherjee

30. Juli 2020Blog

Auf Entdeckungsreise in Büchern

Es ist Sommer. Zugegeben, der fällt in diesem Jahr anders aus als sonst. Der Juli ist unerwartet kühl  im Norden gewesen. Die Pandemie macht vielen Urlaubsplänen und Sommervergnügen einen Strich durch die Rechnung. Welche Erlebnisse sind heute sicher, verlässlich und abwechslungsreich und wo können wir diese finden.

Auf den letzten Teil der Frage kann der Lesesaal eine schnelle Antwort liefern: in Büchern. Romane, Krimis und Kurzgeschichten sind fast überall zu finden. Einige haben wir sicher bereits im Regal stehen (der SUB lässt grüßen) oder eine der zahlreichen Buchhandlungen in der jeweiligen Nähe haben gut gefüllte Regale, die zum Stöbern einladen und euch sicher liebend gerne dabei unterstützen.

Ihr vermisst Paris? Wie wäre es mit dem Roman „Das letzte Mal in Paris“ von Elliot Paul, veröffentlicht im Augsburger Maroverlag? Völlig ohne Abstandsregeln könnt ihr in Gedanken durch die Pariser Straßen flanieren und nebenbei nicht nur den Ort, sondern auch die Zeit wechseln: Ihr taucht in die zwanziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts ein. Einzelne Episoden werden zu einem Roman verbunden und in Gedanken könnt ihr die Hotelbars der Vergangenheit natürlich auch ohne Maske aufsuchen.

Ihr habt Sehnsucht nach etwas Spannung und möchtet gedanklich den Kontinent verlassen? Dann können wir euch die preisgekrönte Krimireihe um „Inspektor Armand Gamache“ der kanadischen Journalistin und Autorin Louise Penny empfehlen. Kanada hat seinen Auftritt auf der Frankfurter Buchmesse ins Jahr 2021 verschoben – somit bleibt ausreichend Zeit, sich auf das nordamerikanische Land literarisch einzustellen. Diese Reihe aus dem Schweizer Kampa Verlag existiert bereits seit 2006 (erster Band „Denn alle tragen Schuld“) und Band 6 ist 2019 erschienen („Auf einem einsamen Weg“). Ihr reist in den kleinen Ort Three Pines, der für euch vielleicht ebenso eine Abwechslung darstellt wie für den ermittelnden Inspektor aus Québec.

Ein bisschen ins Grüne mögt ihr schon, aber nicht in die Ferne schweifen? Dann wäre „Was grünt und blüht in Hamburg. Ein pflanzenkundlicher Stadtführer“ aus dem Hamburger Junius Verlag genau das richtige Buch für euch. In der Natur kann man prima Abstand halten, es gibt eine Menge grüner Flächen in Hamburg, die relativ leer und auch einen Besuch wert sind (Tipp: Einfach mal den Hamburger Süden erkunden, in der Fischbeker Heide fällt das Abstand halten wirklich nicht schwer).

So könnten wir noch seitenweise weitermachen. Uns interessiert aber, welche literarischen Gedankenreisen ihr gerne unternehmen möchtet. Interessieren euch Romane, Sachbücher oder Lyrik? Möchtet ihr mehr über kleine, unabhängige Verlage lesen oder hinter die Kulissen im Lesesaal schauen? Seid ihr interessiert daran, was in den kommenden Wochen an Programm läuft (virtuell oder im Innenhof des Lesesaals)? Lasst es uns wissen! Wir freuen uns sehr, wenn ihr via Social Media, per Mail und natürlich besonders im Lesesaal selbst mit uns Kontakt aufnehmt und uns eure Interessen und Wünsche mitteilt.

An dieser Stelle wünschen wir euch bereits jetzt ein wunderbares Wochenende!

Roma Maria Mukherjee

 

BLOG no 2 von Roma Maria Mukherjee

23. Juli 2020Blog

Backlist trifft auf #zweiterfruehling

Bücher nähren die Seele. Selbst wenn sie damit so etwas wie „Soul Food“ darstellen, haben sie Lebensmitteln etwas Entscheidendes voraus: Bücher verderben nicht!

In den Sozialen Medien tauchen in den Timelines mit Rezensionen und Buch-besprechungen regelmäßig die Neuerscheinungen auf – manchmal schon am ersten Verkaufstag in den Buchhandlungen. Denn Buchhändler*innen, Blogger*innen oder Journalist*innen haben diese häufig bereits vorab als Rezensionsexemplare erhalten und gelesen. Die Schar der Buchliebhaber*innen freut sich über Neuigkeiten und sämtliche Verlage, Autoren und Autorinnen auch, denn nur so erhalten sie für ihre jüngst erschienenen Werke auch ausreichend Aufmerksamkeit.

In diesem Jahr der Pandemie wurde die Aktion Hashtag „zweiterfruehling“ (diese hatten wir im letzten Blogbeitrag in der vergangenen Woche bereits beschrieben) von den Literaturhäusern ins Leben gerufen. Den Neuerscheinungen von Anfang 2020 bis Sommer 2021 wird damit in den Schaufenstern der Buchhandlungen und den Social-Media-Kanälen die gebührende Aufmerksamkeit zuteil.

Laut Statista sind alleine im Jahr 2019 etwas über 70.000 Titel auf dem deutschen Buchmarkt neu erschienen. Diese Titel verteilen sich auf alle Genres, wobei ein Fach-buch für Agrarwissenschaften wohl nicht das richtige Buch sein dürfte, wenn jemand nach einem Roman für den Sommerurlaub sucht. Reicht es also aus, wenn in einer Buchhandlung nur Neuerscheinungen stehen und Verlage sich darauf konzentrieren, möglichst schnell lediglich viele neue Publikationen herauszubringen?

Mitnichten! Und hier kommt die Lesesaal Buchhandlung und die Backlist der Verlage ins Spiel. Schaut man in die Definition zu diesem Begriff schreibt der Duden recht kurz dazu „Anzahl, Reihe, Verzeichnis von Büchern, die nicht in neuester Zeit erschienen sind, aber weiterhin im Programm eines Verlags geführt werden.“ Ist diese Backlist dann nicht das Rückgrat des gesamten Verlagswesens und der Buchhandelsbranche?

Wir finden: Die Backlist der Verlage und dessen Neuerscheinungen passen wunderbar zusammen! Wie verarmt wäre das Lesen einer mehrteiligen Krimiserie, wenn man die ersten beiden Bände im Erscheinungsjahr verpasst hätte und mit Band 3 einsteigen müsste, weil die anderen nicht mehr verlegt würden? Oder Werke von Autor*innen, die bereits vor einiger Zeit verstorben sind: Wie könnten diese für spätere Generationen überhaupt noch erfahrbar gemacht werden? Diese beiden Beispiele zeigen schon, dass ohne ein ausgewogenes Sortiment mit Neuer-scheinungen und Backlist würden die Bücherregale in Buchläden recht dürftig ausfallen.

Wie seht ihr das? Seid ihr auf der Suche nach Novitäten in den Postings auf Instagram & Co.? Oder freut ihr euch auch, wenn ihr ältere Werke vorgestellt bekommt? Was macht für euch ein ausgewogenes Lesefutter aus? Schreibt uns oder kommt einfach vorbei und erzählt uns etwas über eure Literaturwünsche. Lasst uns gemeinsam weiter die Liebe zur Literatur und den Büchern ausleben!

Roma Maria Mukherjee

PREMIERE – BLOG no 1 von Roma Maria Mukherjee

15. Juli 2020Blog

#zweiterfruehling trifft auf Lesesommer

Die Buchbranche wurde durch die im Winter beginnende weltweite Pandemie schwer getroffen. So beschreibt der Buchreport vom 8.Juli auf seiner Internetseite „Mangelnde Finanzpolster aufgrund der geringen Margen in der Branche brächten viele Unternehmen in Existenznot.“ Direkt darauf folgend ist zu lesen „Die Unternehmen hätten aber mit ‚Kreativität und digitaler Innovationsfreude’ Chancen und ihre vorhandenen Online-Shops genutzt.“ Diese Thematik betrifft natürlich auch uns, den Lesesaal – insbesondere, da wir ja zahlreiche Veranstaltungen an der Stadthausbrücke seit 2018 durchgeführt haben und auch für das Jahr 2020 ganz besondere Lesungen und Events geplant hatten.

Am 12. März 2020 fand die letzte Lesung vor den „Corona-Maßnahmen“ statt. Wir hatten den Schauspieler, Schriftsteller und Verleger Hanns Zischler zu Gast. Dessen Roman „Der zerrissene Brief“ erschien Anfang 2020 bei Galiani. Im gut gefüllten Lesesaal Café war das eine besonders authentische Lesung (der Schauspielberuf von Hanns Zischler erwies sich als tolle Grundlage) und aufgrund der sich über-schlagenden Ereignisse der kommenden Wochen blieb sie auch den Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen im Lesesaal sehr gut in Erinnerung. 

Läden wurden geschlossen, Kontaktbeschränkungen festgelegt und es gab einen kurzen Moment der Schockstarre. Dann setzten, wie der Buchreport so treffend schrieb, auch bei uns Kreativität und die Freude an weiteren digitalen Innovationen ein. Wir wurden als eine der ersten Buchhandlungen Partner der Initiative #zweiterfruehling des literaturhaus.net – eine Initative, die allen Neuerscheinungen des Frühjahrs 2020 einen zweiten Frühling bis zum Sommer 2021 bescheren möchte. Verlage und Autoren waren in besonders schwerer Form betroffen, Absage der Leipziger Buchmesse, Ausfälle von Lesungen und keine Kundinnen und Kunden, die literarische Werke in Schaufenstern betrachten und kaufen konnten. Bei dem zweiten Frühling geht es um die Verbindung der Sichtbarkeit in Schaufenstern und digital. Buchläden sind dazu aufgerufen, die Neuerscheinungen des Frühlings (und die bis zum Sommer 2021 erscheinenden Werke) immer mal wieder im Schaufenster zu präsentieren und unter dem entsprechenden Hashtag auch in den sozialen Medien abzubilden. Wir sind begeistert von der Idee und mit Feuer und Flamme mit von der Partie!

Unsere monatlich stattfindende Reihe „Vorgelesen bekommen“ haben wir kurzerhand umgearbeitet und nun findet diese in veränderter Form zwei Mal wöchentlich live auf Instagram statt (ein Hoch auf die digitalen Möglichkeiten des 21. Jahrhunderts!). Jeweils dienstags und freitags stellen Stephanie Krawehl, Wolf Gierens, Roma Mukherjee und Gäste in einer halben Stunde jeweils zwei Titel vor (zu 99% Neuerscheinungen) und lesen daraus besonders eindrückliche Stellen vor. Regelmäßige Vortragende sind und waren Sabine Kolmar, Nikolaus Hansen, Lubi Barre, Petra Bamberger und Jan Rademann. In Kürze kommen noch Sebastian Stuertz, Jan Ehlert und Rainer Moritz hinzu, worüber wir uns wahnsinnig freuen. Wir hoffen sehr, dass auch ihr dort hineinschaut und Gefallen an unserem Programm und der vielfältigen dort vorgestellten Literatur findet. Lasst uns unbedingt wissen, wie es euch gefällt.

Vom Winter über den Frühling sind wir inzwischen schon fast in der Mitte des Sommers gelandet. Die Pandemie begleitet die Welt und uns leider weiterhin, in Deutschland ist die Lage jedoch derzeit wirklich gut. Sogar so gut, dass wir in der Lage sind, endlich wieder zwei Veranstaltungen durchführen zu können: Die Sommerlesungen in den Stadthöfen! Diese finden im Innenhof (hinter dem Lesesaal) statt. Am 15.07. von 18.00 bis 19.30 stellen Stephanie Krawehl und Roma Mukherjee Bücher für den Lesesommer vor. Unterhaltsam, spannend, nachdrücklich und lustig – eine bunte Mischung und unser Nachbar Delinat Bioweine sorgt für den guten Tropfen zur guten Literatur. 

Am 29.07., ebenfalls von 18.00 bis 19.30, können wir endlich die Premierenlesung von Sebastian Stuertz nachholen. Er stellt seinen 2020 erschienenen, ganz und gar ungewöhnlichen, Roman vor: „Das eiserne Herz des Charlie Berg“. Wir sind sehr glücklich darüber, dass wir dies realisieren können.

Die Veranstaltungen finden draußen statt und der Eintritt ist frei, Spenden sind willkommen. Wir hoffen auf gutes Wetter und dass ihr zahlreich vorbei kommt. Der Platz ist groß, die geltenden Abstandsregeln können wir dort gut einhalten und somit eine sichere Veranstaltung durchführen, die endlich wieder unsere Herzenssache in den Vordergrund stellt: die Liebe zu den Büchern!

Roma Maria Mukherjee

Vorgestellte Titel von „Vorgelesen bekommen“ am 4. Juni 2019

13. Juni 2019Blog

 

Jochen Schmidt „Ein Auftrag für Otto Kwant“, C.H. Beck Verlag 2019, 344 Seiten, € 23,00, www.beck.de

Remigiusz Mróz „Die kalten Sekunden“, übersetzt von Marlena Breuer und Jakob Walosczyk (poln. „Nieodnaleziona“, 2017), Rowohlt Verlag 2019, 382 Seiten, € 9,99, www.rowohlt.de

Mona Hoevring „Was helfen könnte“, übersetzt von Ebba D. Drolshagen (nor. „Noe som hjelper“, 2004), Edition Fünf 2019, 144 Seiten, € 19,00, www.editionfuenf.de

José Eduardo Agualusa „Die Gesellschaft der unfreiwilligen Träumer“, übersetzt von Michael Kegler (port. „A Sociedade dos Sonhadores Involuntários“, 2017), C.H. Beck Verlag 2019, 304 Seiten, € 22,00, www.beck.de

Helene Bukowski „Milchzähne“, Blumenbar Verlag 2019, 222 Seiten, € 20,00, www.aufbau-verlag.de

Willy Vlautin „Ein feiner Typ“, übersetzt von Nikolaus Hansen, (engl. „Don’t skip out on me“, 2018), Berlin Verlag 2019, 332 Seiten, € 24,00, www.piper.de

Jakuta Alikavazovic „Das Fortschreiten der Nacht“, übersetzt von Sabine Mehnert (frz. „L’avancée de la nuit“, 2017), Edition Nautilus 2019, 256 Seiten, € 22,00, www.edition-nautilus.de

Giulia Becker „Das Leben ist eins der Härtesten“, Rowohlt Verlag 2019, 221 Seiten, € 20,00, www.rowohlt.de 

Das war die letzte Veranstaltung „Vorgelesen bekommen“ vor der Sommerpause – wir freuen uns sehr, Euch wieder am Dienstag, den 3. September um 19:30 mit acht bemerkenswerten Neuerscheinungen begrüßen zu können. Bis dahin wünschen wir allen VIEL SONNE! Auch im Herzen!

Wer nicht ohne uns auskommt – was wir verstehen können: im Juli sind wir mit Café zwischen 12 und 18 Uhr durchgehend geöffnet! Im August dann wieder von 10 bis 19 Uhr.

 

Vorgestellte Titel von „Vorgelesen bekommen“ am 7. Mai 2019

10. Mai 2019Allgemein, Blog

Harold Nebenzal „Café Berlin“, übersetzt von Gertraude Krueger (engl. „Café Berlin“, 1994), Kein und Aber Verlag 2019, 414 Seiten, € 14,00, www.keinundaber.ch

Angela Lehner „Vater unser“, Hanser Verlag 2019, 284 Seiten, € 22,00, www.hanser-literaturverlage.de

Daniel Pennac „Der Fall Malaussène – Sie haben mich belogen“, übersetzt von Eveline Passet (frz. „Le cas Malaussène – Ils m’ont menti“, 2017), KiWi Verlag 2019, 304 Seiten, € 15,00, www.kiwi-verlag.de

Niko Stoifberg „Dort“, Nagel & Kimche Verlag 2019, 280 Seiten, € 23,00, www.hanser-literaturverlage.de

Bettina Wohlfarth „Wagfalls Erbe“, Osburg Verlag 2019, 438 Seiten, € 22,00, www.osburgverlag.de

Vincent Almendros „Ins Schwarze“, übersetzt von Till Bardoux, (frz. „Faire Mouche“, 2018 – auch im Lesesaal erhältlich), Wagenbach Verlag 2019, 115 Seiten, € 16,00, www.wagenbach.de

Martin R. Dean „Warum wir zusammen sind“, Jung und Jung Verlag 2019, 355 Seiten, € 24,00, www.jungundjung.at

Franz Wauschkuhn „Max & Consorten“, Osburg Verlag 2019, 415 Seiten, € 22,00, www.osburgverlag.de

Wir freuen uns auf den nächsten Termin am 4. Juni 2019 um 19:30 im Lesesaal. Kommt gerne (wieder) vorbei! Im Juli und August findet keine Veranstaltung statt – Ihr müsst Euch bis zum 3. September gedulden. Das lohnt sich!

Vorgestellte Titel von „Vorgelesen bekommen“ am 2. April 2019

4. April 2019Blog

John Lanchester „Die Mauer“, übersetzt von Dorothee Merkel (engl. „The Wall“, 2018), Klett Cotta Verlag 2019, 348 Seiten, € 24,00, www.klett-cotta.de

Nicoletta Giampietro „Niemand weiß, dass du hier bist“, Piper Verlag 2019, 416 Seiten, € 22,00, www.piper.de

Sarah Kuttner „KURT“, S. Fischer Verlag 2019, 239 Seiten, € 20,00, www.fischerverlage.de

Alexander Pechmann „Die Nebelkrähe“, Steidl Verlag 2019, 176 Seiten, € 18,00, www.steidl.de

Josephine Rowe „Ein liebendes, treues Tier“, übersetzt von Barbara Schaden, (engl. „A Loving, Faithful Animal“, 2016), Liebeskind Verlag 2019, 207 Seiten, € 20,00, www.liebeskind.de

Thomas Palzer „Die Zeit, die bleibt“, Tropen Verlag 2019, 251 Seiten, € 20,00, www.tropen-verlag.de

Tom Blass „Die Nordsee“, übersetzt von Tobias Rothenbücher, (engl. „The Naked Shore: Of the North Sea, 2015), mare Verlag 2019, 352 Seiten, € 28,00, www.mare.de

Tadeusz Dąbrowski „Eine Liebe in New York“, übersetzt von Renate Schmidgall, (poln. „Bezbronna kreska“, 2016), Schöffling Verlag 2019, 138 Seiten, € 18,00, www.schoeffling.de

Wir freuen uns auf den nächsten Termin am 7. Mai 2019 um 19:30 im Lesesaal. Kommt gerne vorbei!

Vorgestellte Titel von „Vorgelesen bekommen“ am 5. März 2019

11. März 2019Blog

Jan Drees „Sandbergs Liebe“, Secession Verlag 2019, 190 Seiten, € 20,00, www.secession-verlag.com

Katharina Mevissen „Ich kann dich hören“, Wagenbach Verlag 2019, 168 Seiten, € 19,00, www.wagenbach.de

Pierre Lemaître „Die Farben des Feuers“, übersetzt von Tobias Scheffel (frz. „Couleurs de l’Incendie“, 2018) Klett Cotta Verlag 2019, 479 Seiten, € 25,00, www.klett-cotta.de

Mathijs Deen „Unter den Menschen“, übersetzt von Andreas Ecke, (ndl. „Onder de mensen“, 2016), mare Verlag 2019, 192 Seiten, € 20,00, www.mare.de

Marco Dinic „Die guten Tage“, Zsolnay Verlag 2019, 240 Seiten, € 22,00, www.hanser-literaturverlage.de

Barbara Honigmann „Georg“, Hanser Verlag 2019, 160 Seiten, € 18,00, www.hanser-literaturverlage.de

Günter Kunert „Die Zweite Frau“, Wallstein Verlag 2019, 204 Seiten, € 20,00, www.wallstein-verlag.de

Pascal Engman „Der Patriot“, übersetzt von Nike Karen Müller, (schwed. „Patrioterna“, 2018), Tropen Verlag 2019, 470 Seiten, € 16,00, www.klett-cotta.de

Wir freuen uns auf den nächsten Termin am 2. April 2019 um 19:30 im Lesesaal. Kommt gerne vorbei!