„Großes Kino“ von Sascha Reh

17. September 2020Lese-Empfehlung

Carsten Wuppke kann einfach seinen Mund nicht halten. Warum muss der Neuköllner Sozialarbeiter, der gerade Schwierigkeiten mit dem Gesetz hat, sich an der Supermarktkasse auch mit einem Polizisten anlegen? Und dann ausgerechnet einen Roller »ausborgen«, der Ali al-Safa, genannt »der Chinese«, gehört? Prompt verdonnert ihn der Clanchef zu ein paar Gefälligkeiten: Erst muss Wuppke seine Jungs in gewaltfreier Kommunikation coachen und dann ein krummes Immobiliengeschäft auf Sylt für ihn zurechtbiegen, das mit dem Naturschutz und dem Bürgermeisterwahlkampf in Konflikt steht. Aber mit Konflikten kennt Wuppke sich aus – denkt er zumindest, bis er auf die Familie des obersten Naturschützers und Bürgermeisterkandidaten trifft. Als ihm der Chinese auch noch seine Leute auf den Hals jagt, wird es brenzlig für Wuppke.

Der neue Roman von Sascha Reh ist eine zitatgespickte Gangsterkomödie voller Sprachwitz und absurder Situationskomik, deren Held sich mit Eloquenz und Chuzpe durch die Inselhalbwelt mauschelt.

„Im Fallen lernt die Feder fliegen“ von Usama Al Shahmani

31. August 2020Lese-Empfehlung

 

Die irakischstämmige Aida verleugnet ihre Herkunft, was immer wieder zu Streit mit ihrem Freund führt. In ihrer Not setzt sie sich hin und beginnt aufzuschreiben, was sie nicht sagen kann. Geboren in einem iranischen Flüchtlingslager, kam sie mit ihren Eltern und der älteren Schwester in die Schweiz. Die Mädchen gehen zur Schule, aber ihre Eltern kommen mit dem westlichen Alltag nicht zurecht und verklären mehr und mehr ihre Heimat. Der Vater, ein konservativer Theologe, beschliesst schliesslich, mit der ganzen Familie in den Irak zurückzukehren. Aber was für die Eltern die Heimat ist, die sie einst verlassen haben, ist für die beiden Schwestern ein fremdes Land. Als die Ältere verheiratet werden soll, fliehen sie nun ihrerseits und gelangen als unbegleitete Minderjährige in die Schweiz. Aber auch sie lässt die Vergangenheit nicht los.

Wieder gelingt es Usama Al Shahmani, vielschichtig von der grossen inneren Anstrengung von Flüchtlingen bei ihren Integrationsbemühungen zu erzählen und dabei immer ein Fenster zur Hoffnung offenzulassen. Und nicht zuletzt überwindet er selbst die Mühsal des Exils durch das Verschmelzen der arabischen mit der westlichen Kultur im Erzählen.

Usama Al Shahmani, geboren 1971 in Bagdad und aufgewachsen in Qalat Sukar (Nasiriya), hat arabische Sprache und moderne arabische Literatur studiert, er publizierte drei Bücher über arabische Literatur, bevor er 2002 wegen eines Theaterstücks fliehen musste und in die Schweiz kam. Er arbeitet heute als Dolmetscher und Kulturvermittler und übersetzt ins Arabische, u. a. «Fräulein Stark» von Thomas Hürlimann, «Der Islam» von Peter Heine und «Über die Religion» von Friedrich Schleiermacher. Sein erster Roman «In der Fremde sprechen die Bäume arabisch» wurde mehrfach ausgezeichnet und war u. a. für das «Lieblingsbuch des Deutschschweizer Buchhandels» nominiert.

 

Marieke Lucas Rijneveld mit „Was man sät“

27. August 2020Lese-Empfehlung

Marieke Rijneveld erzählt in ihrem Roman vom Zerbrechen einer calvinistischen Familie. Gerade wurde ihr Debütroman „Was man sät“ mit dem International Booker Prize ausgezeichnet.

Kurz vor Weihnachten bemerkt die zehnjährige Jas, dass der Vater ihr Kaninchen mästet. Sie ist sich sicher, dass es dem Weihnachtsessen zum Opfer fallen wird. Das darf nicht passieren. Also betet Jas zu Gott, er möge ihren älteren Bruder anstelle des Kaninchens nehmen. Am selben Tag bricht ihr Bruder beim Schlittschuhlaufen ins Eis ein und ertrinkt. Die Familie weiß: Das war eine Strafe Gottes, und alle Familienmitglieder glauben, selbst schuld an der Tragödie zu sein. Jas flieht mit ihrem Bruder Obbe und ihrer Schwester Hanna in das Niemandsland zwischen Kindheit und Erwachsensein, in eine Welt voll okkulter Spiele und eigener Gesetze, in der die Geschwister immer mehr den eigenen Sehnsüchten und Vorstellungswelten auf die Spur kommen.

Was bedeuten Familie, Glaube, Zusammenhalt? Wie kann man anderen beistehen, wenn man mit den eigenen Dämonen zu kämpfen hat? Marieke Lucas Rijneveld hat einen gewagten, einen kräftigen und lebendigen Roman geschrieben, der unsere innersten Gewissheiten hinterfragt.

English books – recommended by Mr. MINGO

2. August 2019Allgemein, Lese-Empfehlung

„Mailman“ by J. Robert Lennon published in 2003 – „A phantasmagoria of American paranoia and self-loathing in the person of a deranged but somehow good-hearted middle-aged mail carrier in steep decline, the book hums with a kind of chipper angst,“ writes Jonathan Lethem in the Los Angeles Times Book Review. „Washington Black“ by Canadian writer Esi Edugyan, published in 2018. The story follows the early life of George Washington „Wash“ Black, chronicling his escape from slavery and his subsequent adventures. For distraction – „642 tiny things to draw“. Draw teeny-tiny things in this teeny-tiny book! Have a wonderful weekend!

24. Türchen vom Lesesaal-Adventskalender

24. Dezember 2018Lese-Empfehlung

24. Türchen… Es ist so weit… Das letzte Türchen unseres inspirierenden Adventskalenders öffnet sich heute:

„Letters of Father Christmas“ von J.R.R. Tolkien paart sich heute mit dem „Fragebogen“ von Max Frisch von der Edition Büchergilde, „The Middle Eastern Vegetarian Cookbook“ von Salma Hage, Phaidon Verlag, und Anne-Caroline Pandolfos „Die Tintenspinner“, bei mixtvision erschienen.

An dieser Stelle möchten wir uns so herzlich bei allen bedanken, die mit uns durch diese turbulente Zeit gegangen sind. Vielen Dank für die Unterstützung, den Zuspruch! Auf ein spannendes Jahr 2019! 🎄☀️🍾

23. Türchen vom Lesesaal-Adventskalender

23. Dezember 2018Lese-Empfehlung

Heute öffnen wir das 23. Türchen mal von zu Hause 🎄

Freitag im Vorbeilaufen gesehen: PEZ Figuren! Wie toll, dass es sie noch gibt! Werden bei Tochter und Neffe unterm Baum liegen. Dafür ist man nie zu alt! Übers Podcast entdeckt und für wichtig befunden: „Heidas Traum“ von Steinunn Sigurdardottir über das ehemalige Topmodel Heida Gudny Asgeirsdottir, die jetzt mit 500 Schafen in Island am Rande der bewohnbaren Welt lebt und den Kampf mit einem Energieunternehmen aufgenommen hat. Haltung! Mehr gefragt denn je. Last but not least: „Lake Success“ von Gary Shteyngart, „An unforgettable road trip through an America that‘s ominously devided, wildly diverse and weirdly familiar.“ Tom Perrotta. #garyshteyngart , see you next year in Hamburg! Looking forward seeing you again!

22. Türchen vom Lesesaal-Adventskalender

22. Dezember 2018Lese-Empfehlung

Türchen 22 –

Regina Scheer beschert uns „Max Liebermann erzählt aus seinem Leben“, sogar mit Original-Tondokument, erschienen im Verlag für Berlin-Brandenburg. Kathrin Radke hat im Kunstanstifter Verlag ihr treffliches Buch „Ft oder das Recht auf Faulheit“ veröffentlicht – welch ein Wurf! „Wüsten, Berge, Fjorde – Landschaften und ihre bewegte Geschichte“ von Claire Lecœuvre und Vincent Mahé erzählt von den Kräften, die die Landschaften dieser Erde geformt haben, und von der Geschichte des Lebens auf unserem Planeten. Erschienen bei Jacoby & Stuart, übersetzt von Edmund Jacoby.

21. Türchen vom Lesesaal-Adventskalender

21. Dezember 2018Lese-Empfehlung

Leise rieseln … die Buchstaben…

„Der Sturm“ von William Shakespeare in der Adaption von Leopold Maurer, erschienen im Luftschacht Verlag – ideal zur Einstimmung fürs Familienfest. „Fröhliche Weihnachten“ wünscht qua Wertmarke die Feine Billetterie. Otar Tschiladses Roman „Awelum“ spielt vor dem Hintergrund des Bürgerkriegs in Tblissi in den Jahren 1991/92, erschienen bei Matthes & Seitz in der Übersetzung von Kristiane Lichtenfeld. „Wie das Chamäleon Noahs Arche rettete“ von Yael Molchadsky in der Übersetzung von Mirjam Pressler aus dem Ariella Verlag erzählt die Geschichte von Noah, der entdeckt, dass selbst das kleinste Tier eine große Rolle in der Natur spielt, ab 3.

20. Türchen vom Lesesaal Adventskalender

20. Dezember 2018Lese-Empfehlung

Klingeling – noch 4 Tage bis Heiligabend! Roar – das Weihnachtsauto fährt auf folgende Titel ab:

mit wunderschönen Illustrationen von Sanna Annukka gleich zwei Titel im Knesebeck Verlag: „Die Schneekönigin“ und „Der Nussknacker“. Dann erzählt Sofka Zinovieff in „Mad Boy, Lord Berners, meine Großmutter und ich“ von Familiengeheimnissen der besonderen Art. Am Schluß erweckt Patrick Modiano zusammen mit Jean-Jacques Sempé „Catherine, die kleine Tänzerin“ zum Leben, ab 5.

19. Türchen vom Lesesaal Adventskalender

20. Dezember 2018Lese-Empfehlung

Nun das 19. Türchen!

Die Graphic Novel von Jiro Taniguchi und Masayuki Kusumi „Der Gourmet“, übersetzt von John Schmitt-Weigand, zeigt in 18 Episoden dieses kulinarischen Reiseführers die Spuren guten Geschmacks. Dmitry Glukhovsky beschreibt in „Text“, seinem ersten literarischen Roman das Leben von Ilja, der ins Moskau von 2016 nach sieben Jahren Straflager zurückkehrt. Antje Damm fragt alle Kinder ab 6 Jahre: „Was wird aus uns?“ Gute Frage nach Katowice.