BLOG no 61 – der Herbst

24. September 2021Allgemein, Blog

Ist der Herbst schon bei euch angekommen?

In Hamburg müssen wir das mit einer Rückfrage beantworten: Gab es denn überhaupt einen Sommer? Der Lesesaal ist allerdings keine Wetterwarte, sondern eine Buchhandlung (mit Café und Geschichtsort). Also spielen wir weniger auf Temperaturen an als auf einen reichhaltigen Bücherherbst.

Herbst und Winter sind die beiden Jahreszeiten, in denen es in einer Buchhandlung so richtig rund geht. Zahlreiche Buch- und Literaturpreise werden verliehen, es erscheinen stündlich (okay, das ist übertrieben) neue und spannende Veröffentlichungen und in gar nicht so weiter Ferne startet dann schon der Weihnachtsverkauf und die Suche nach Buchgeschenken. An der Stadthausbrücke wird uns also nicht langweilig und wir hoffen es geht euch auch so.

Auch wenn die Pandemie noch nicht vorüber ist, sieht es im frühen Herbst 2021 freundlicher aus als noch ein Jahr zuvor. Es ist (natürlich mit allen Schutz- und Vorsichtsmaßnahmen) wieder mehr möglich als 2020. Auch im Online-Bereich sind wir (und viele Kolleg:innen auch) weitaus erfahrener als in der Vergangenheit.

Wir haben eine Menge Neuigkeiten für euch, auf die wir hier heute im Blog schon mal hinweisen möchten, damit ihr die eine oder andere Lesung bei uns vormerken könnt (entweder vor Ort bei uns in Hamburg oder teilweise auch im Stream).

Wöchentlich einen neuen Buchtipp findet ihr, seit dieser Woche, im Info Point in den Stadthöfen. Dort dürfen wir jetzt immer ein Buch ausstellen und hoffen, vielleicht auch ein paar Leute zum „Lies mal wieder“ anzuregen.

Am 02.10. findet in den Stadthöfen die „Pré-Ouverture“ statt. Es wird eine Reise durch Kulinarik, Kunst & Kultur mit einer großen Tombola (die Erlöse kommen „Radio Hamburg Hörer helfen Kindern e.V.“ zugute). Es gibt zwischen 12 und 22 Uhr eine Menge Programm. Um 14 Uhr präsentiert Stephanie Krawehl den Lesesaal in einem Interview und einer Buchvorstellung. Schaut doch bei uns vorbei – da bekommt ihr das ganze Programm handlich in einem Flyer zum Mitnehmen.

Bei uns im Laden ist die Tage zuvor auch schon eine Menge los:

Am Mittwoch, den 29.09.2021 um 19.30 Uhr können wir endlich Ingrid von Kruse bei uns zu einer Lesung begrüßen. Die Fotografin stellt ihr Buch „Begegnungen“ aus dem Osburg-Verlag vor. Darin erzählt sie zu jedem Portrait einer bekannten Persönlichkeit, die Geschichte der Entstehung des jeweiligen Fotos. Karten (10 Euro) erhaltet ihr bei uns im Lesesaal. Während der Veranstaltung werden die Bilder aus dem Buch auch via Beamer gezeigt. Aus diesem Grund streamen wir die Lesung nicht, denn es ist ein Gesamtkunstwerk, welches sich aus unserer Sicht nicht für einen Stream eignet.

Direkt am nächsten Tag, Donnerstag, den 30.09.2021 eröffnen wir um 12 Uhr endlich das Lesesaal Café wieder! Unser Dreiklang Buchladen, Café und Geschichtsort kommt erneut zur Entfaltung. Wir sind schon sehr aufgeregt und freuen uns auf euren Besuch. Bis zum Ende des Jahres hat das Café immer donnerstags, freitags und samstags von 12 bis 18 Uhr geöffnet – ab Januar dann wieder von Montag bis Samstag. Coffee to go gibt es ab jetzt auch bei uns – in den Pfand-Bechern von Recup2ToGo. Wir haben uns für diesen Anbieter entschieden, da wir gerne möglichst umweltbewusst agieren möchten und Einweg-Becher für uns nicht in Frage kommen. 

An diesem Donnerstag, den 30.09.2021, ist auch „Hieronymustag“, der internationale Tag der Übersetzerinnen und Übersetzer. Dieses Mal haben wir den Hamburger Übersetzer Ingo Herzke eingeladen, der viel Spannendes aus der Sicht dieser Branche zu erzählen hat. Um Bücher geht es natürlich auch. Die Moderation übernimmt Stephanie Krawehl. Karten (live im Lesesaal) kosten 10 Euro und ihr erhaltet sie bei uns im Geschäft. Gestreamt wird natürlich auch. Den Link zu Reservix (5 Euro pro Ticket) findet ihr auf der Startseite unserer Webseite und hier. 

Im Oktober und November finden noch weitere Lesungen (Bae Suah, Korea, Salih Jamal und weiteres) statt. Die Termine findet ihr im Veranstaltungskalender auf unserer Homepage und bei den Veranstaltungen in unserem Facebookprofil.

Wenn ihr irgendwelche Fragen, Anregungen oder Wünsche habt, kontaktiert uns gerne per Mail oder via PN in unseren Social-Media-Accounts. Wir freuen uns immer über elektronische Post von euch (wobei wir zu Schneckenpost auch nicht nein sagen).

Habt ein wunderbares Wochenende und macht es euch gemütlich mit der Lektüre eurer Wahl!

Roma Maria Mukherjee

roma.mukherjee@lesesaal-hamburg.de

BLOG no 60 von Stephanie Krawehl

12. September 2021Blog

Hamburg – das literarische Tor zur Welt?

Wir wissen nicht, ob Ihr Euch die Frage schon einmal gestellt habt. Für uns im Lesesaal ist diese Frage eine Sortimentsfrage: Wie können wir mit unseren Möglichkeiten die Welt mit ihren unglaublich vielfältigen literarischen Stimmen abbilden? Was können wir im Rahmen unserer Mittel unseren Leserinnen und Lesern von dieser Reichhaltigkeit und Fülle präsentieren, um ihre Neugierde zu wecken?

Der Standort des Lesesaals an der Stadthausbrücke in der Neustadt ist prädestiniert für die Darstellung dieser literarischen Stimmen, auch in den Fremdsprachen englisch und französisch. Die Hamburgerinnen und Hamburger genauso wie die Besucherinnen und Besucher Hamburgs sind genauso vielstimmig, wie es die Literatur ist. Unseren Leserinnen und Lesern möchten wir genau diese Vielstimmigkeit präsentieren – regional, national und international. 

Unser Sortiment will Welt abbilden, die eben genau durch das Tor nach Hamburg kommt, ohne den Anspruch auf Vollständigkeit zu haben. Dazu gehört z.B. in der Belletristik der Ansatz, mit Klassikern, modernen Klassikern und Neuem eine Abteilung auf die Beine zu stellen, die den kulturellen und geographischen Literaturen einen Platz bietet. Nationale und internationale Stimmen in ihren Eigenheiten kennenzulernen – das möchten wir anbieten. Schon in unserem kleinen Team haben wir jede/r unser eigenes Literaturinteresse und bilden so schon im Kleinen die große Literaturwelt ab. Diese Tatsache zeigt sich u.a. in unserer Sortimentsgestaltung.

Charakteristisch für unsere Kinder- und Jugendbuchabteilung ist u.a. die Darstellung der Gesellschaft. Jedes Kind sollte sich in den Büchern auf die eine oder andere Weise wiederfinden können, auch hier hält die Welt Einzug. Dabei geht es uns auch um die Qualität von Illustration und Sprache, um den guten Zugang zum Buch.

All unseren Abteilungen im Lesesaal ist gemein, dass wir sehr gerne unabhängige Verlage einziehen lassen, dass diese den Kern unseres Sortiments bilden. Gerade die Unabhängigen sind oft Vorreiter von Literaturen der Welt, d.h. sie lassen in besonderen Sprachen übersetzen und verlegen die Bücher, die sonst in anderen Verlagsprogrammen nicht vorkommen. 

Die Globalität der Welt hat auch gute Seiten – wir können am Literaturleben anderer Kulturen und Kontinente teilnehmen, sie kennenlernen und darüber in Austausch treten. Die Frage an Euch wäre, was Ihr über die literarische Internationalität denkt. Wie wichtig ist für Euch die Möglichkeit, Originalstimmen zu lesen und Euch über andere Welten auszutauschen?

Stephanie Krawehl

kontakt@lesesaal-hamburg.de

BLOG no 59 von Stephanie Krawehl

8. September 2021Allgemein, Blog

Literatur aus dem Land der aufgehenden Sonne 

Was kommt Euch in den Sinn, wenn Ihr an japanische Literatur denkt? Stimmt: Haiku, das „Kopfkissenbuch“ von Sei Shōnagun, und Murakami. Alles richtig und wichtig. Nun würden wir diesen Blogbeitrag nicht schreiben, wenn es da nicht noch sehr viel mehr zu entdecken gäbe. Wir möchten Euch nachstehend besonders die weiblichen Stimmen aus dem Männerland Japan vorstellen.

Zu Anfang möchten wir Euch gerne den Bruder von Robert Walser (deutschsprachiger Schweizer Schriftsteller) vorstellen: Karl Walser. Aus dessen vielfältigem künstlerischen Schaffen ragt eine Werkgruppe heraus: knapp 50 Aquarelle und Ölgemälde, die 1908 während einer halbjährigen Japan–Reise entstanden. Die Sichtweise eines Europäers auf Japan um die Jahrhundertwende 19./20. Jh. ist zu entdecken. Was für ein wunderbarer Kunstband, der inzwischen bedauerlicherweise beim Verlag vergriffen ist. Der Lesesaal hat noch zwei Exemplare… First come, first serve 😉

Neben den modernen Klassikern Yasushi Inoue („Das Jagdgewehr“), den japanischen Literaturnobelpreisträgern Yasunari Kawabata („Die Schönen“) und Kenzaburô Oê („Der stumme Schrei“) sind die Autorinnen Banana Yoshimoto („Kitchen“), Yoko Ogawa („Hotel Iris“) und Hiromi Kawakami („Der Himmel ist blau, die Erde ist weiß. Eine Liebesgeschichte“) in der deutschen Literaturszene schon länger bekannt.

Der SWR 2 schrieb 2017 über japanische Schriftstellerinnen: „Sie schreiben schwebend schöne Texte, brutale Sozialdramen und zarte Liebesromane: die Erfolgsautorinnen Japans. In den Buchhandlungen stehen ihre Werke im „Frauenregal“, ordentlich von den Büchern der männlichen Kollegen getrennt. Dies spiegelt auch ein Stück weit das Verhältnis der Geschlechter, denn das Inselreich tut sich bis heute schwer, Frauen und Männer als gleichwertig anzusehen.“ Das ist die Situation heute in der japanischen Gesellschaft in punkto Literatur, und sicherlich nicht nur dort.

Seit Mitte der 80er Jahre schreiben einige Autorinnen Japans Romane und Geschichten, die ins Deutsche übersetzt werden. Einige von den neuen japanischen Stimmen möchten wir Euch gerne vorstellen: 

Mieko Kawakami, geb. 1976 in Ōsaka – 2008 erschien der Titel „Chichi to Ran“ der 1976 geborenen Schriftstellerin und Sängerin – bei  uns vor einem Jahr als „Brüste und Eier“ in der Übersetzung von Katja Busson im Dumont Verlag erschienen und jetzt schon als Taschenbuch erhältlich. In diesem Roman erzählt die Autorin von Armut, Ausbeutung und patriarchaler Herrschaft. Er entwirft eine Phänomenologie heutigen Frauseins in Japan. 

Sayaka Murata, geb. 1979 – bekannt wurde die Autorin bei uns mit ihrem Roman „Die Ladenhüterin“, übersetzt von Ursula Gräfe, erschienen 2018 im Aufbau Verlag und jetzt als Taschenbuch erhältlich. Der Klappentext führt die Protagonistin wie folgt ein: „Keiko Furukura ist anders. Gefühle sind ihr fremd, das Verhalten ihrer Mitmenschen irritiert sie meist. Um nirgendwo anzuecken, bleibt sie für sich. Als sie jedoch auf dem Rückweg von der Uni auf einen neu eröffneten Supermarkt stößt, einen sogenannten Konbini, beschließt sie, dort als Aushilfe anzufangen.“ Sayaka Murata zeichnet ihre Hauptfigur mit den Strichen einer introvertierten Frau, die Struktur braucht. Diese gerät allerdings durch einen neuen Kollegen im Konbini ins Wanken. 

Hiromi Itō, geb. 1955 in Tokyo geboren, zählt zu den wichtigsten japanischen Autorinnen der Gegenwart. Sie ist auch als Illustratorin und Manga-Kritikerin bekannt. Neu erschienen ist ihr Roman „Dornauszieher. Der fabelhafte Jizo von Sugamo“ im Matthes & Seitz Verlag in der Übersetzung von Irmela Hijiya-Kirschnereit. 2007 bereits in Japan erschienen, lernen wir hier den Alltag einer Frau kennen, die alle Mühe hat, ihre Rollen als einzige Tochter, als Ehefrau und Mutter, als Schriftstellerin und als Intellektuelle auszubalancieren. Davon berichtet Hiromi Ito in ihrem ganz eigenen, stark vom mündlichen Erzählen geprägten Ton, mit Anklängen an Märchen, buddhistische Legenden, Literatur aus Ost und West, bis hin zu moderner Lyrik, Rap und Werbeslogans. Tipp: Die Autorin kommt zum Harbourfront Festival und liest am Samstag um 20 Uhr im Saal des Altonaer Museums – habe gerade gesehen, dass es noch Restkarten gibt …

Kennt Ihr japanische Autorinnen? Wenn ja, welche hat Euch besonders gefallen? Wir würden uns sehr freuen, von Euch zu lesen. Schreibt uns gerne an die unten genannte Mailadresse.

Stephanie Krawehl

kontakt@lesesaal-hamburg.de

BLOG no 58 von Roma Maria Mukherjee

29. August 2021Blog

Pendragon – Krimis und Literatur seit 1981

„Entdecken Sie eine neue Welt, die zwischen zwei Buchseiten steckt“, lesen wir auf der Seite des Pendragon Verlags aus Bielefeld. 1981 gegründet durch Günther Butkus, hat der Verlag inzwischen mehr als 600 Titel publiziert.

Pendragon ist auf Krimis und Literatur spezialisiert und auch wenn das „B“ im Stadtnamen nicht für Berlin steht, sondern für eine Stadt in Ostwestfalen-Lippe, dann ist der Verlag dennoch eins: Ein Garant für spannende und teilweise auch preisgekrönte Bücher. Hier ist die Autorin Mechthild Borrmann zu erwähnen, die neben dem Deutschen Krimi Preis auch in der Vergangenheit bereits den französischen Publikumspreis „Grand Prix des Lectrices“ erhalten hat. Der Verlag von Günther Butkus hat 2020, also im ersten Pandemiejahr, den Deutschen Verlagspreis gewonnen.

Noch viel besser sind aber die Bücher des Verlags selbst und die Inhalte. Abseits vom Mainstream findet man hier Krimis und Romane, die die Vielseitigkeit der deutschen, aber auch internationalen Autor:innenszene abbilden.

Auf der Webseite des Verlags findet man übersichtlich alles unter 4 Reitern sortiert:

„Literatur“, „Krimis“, „Anthologien“ und „Editionen“ und dann sind die Publikationen alphabetisch sortiert. Unter „Neu“ findet man alle aktuellen Publikationen – der Klick lohnt sich!

Vier Bücher aus dem Verlag möchten wir euch heute hier im Blog zeigen und dazu einladen, den Pendragon Verlag näher kennenzulernen.

Stephen Crane, „Die rote Tapferkeitsmedaille, übersetzt von Bernd Gockel. Das Buch enthält ein Nachwort von Thomas Schneider und ein Porträt über Stephen Crane von Rüdiger Barth. Die Geschichte erzählt von einem einfachen Soldaten und seinen Nöten im amerikanischen Bürgerkrieg. Die Geschichte erschien erstmalig 1895 und veränderte die Sichtweise auf den modernen Krieg und Empfindungen von Soldaten nachhaltig. 2020 erschienen.

Lina Atfah, „Das Buch von der fehlenden Ankunft“, übersetzt und nachgedichtet von insgesamt 13 Übersetzer:innen und Dichter:innen, enthält Gedichte aus Syrien. Der Band enthält vielfältige Poesie, die Lyrik ist zweisprachig (arabisch/deutsch). Einerseits ist das Thema Flucht, zerrissene Heimat und Vertreibung präsent, anderseits aber auch die ganze Vielfalt an sinnlichen Eindrücken, die vielfältige mythische Bezüge und Verbindung zu arabischen Geschichten aufzeigen. 2019 erschienen.

Frauke Buchholz, „Frostmond“, spielt in Kanada (dem Gastland der Frankfurter Buchmesse 2021). In dem Krimi wird von Verbrechen an indigenen Frauen erzählt, die seit einigen Jahren entlang des Transcanada-Highways spurlos verschwinden. 2021 erschienen.

James Lee Burke, „Die Schuld der Väter, übersetzt von Georg Schmidt. Es ist Band Nr. 12 der Dave-Robicheaux-Reihe. Die Ermittlungen führen den Protagonisten in diesem Band tief in die Vergangenheit. 2020 erschienen.

Jetzt haben wir die Vielfältigkeit des Pendragon Verlags exemplarisch mit diesem kurzen Querschnitt eingefangen. Wir freuen uns auf euren Besuch im Lesesaal und zeigen euch gerne weitere Titel aus diesem tollen sowie vielen weiteren unabhängigen Verlagen mit Spitzen-Programm. We love Indiebooks!

Rosa Maria Mukherjee

roma.mukherjee@lesesaal-hamburg.de

BLOG no 57 von Roma Maria Mukherjee

16. August 2021Blog

Viel los im Lesesaal!

Zugegeben – Outdoor 2021 ist wettertechnisch etwas durchwachsener als im vergangenen Jahr – wir aber von der Lesesaal Buchhandlung lassen wir uns davon nicht beirren. Unsere Open Air-Lesungen im Hof, begonnen mit „Borchert im Lesesaal“ im Mai 2021 über „Bücher für den Lesesommer“, die Lesung mit Zora del Buono (Buch „Die Marschallin“), das Werkstattgespräch mit Marc Degens, die Lesung mit Zoë Beck (Buch „Paradise City“), der Ali-Smith-Abend mit Kristine Bilkau, Rasha Khayat und Leona Stahlmann und die externe Veranstaltung mit Rasha Khayat auf der Dachterrasse der Handelskammer Hamburg – alles nun schon Vergangenheit.

 

 

Wir können kaum glauben, wie schnell die Zeit vergangen ist. Auch wenn der Sommer in Hamburg bis Mitte August noch gar nicht richtig da war: Rein kalendarisch nähert er sich bereits dem Ende.

Im Lesesaal bleibt es spannend! Wir haben richtig tolle Projekte in Planung für den Herbst.

Am 04. September findet erneut die „Lange Nacht der Literatur Hamburg“ statt und wir sind um 19:30 mit einer Lesung dabei, wie immer zum Gastland der Frankfurter Buchmesse, dieses Jahr: Kanada. Zu uns kommt die Verlegerin Julia Eisele (mehr dazu könnt ihr hier nachlesen). Es gibt auch noch Karten – ihr könnt sie im Laden, telefonisch, per Mail oder auch per WhatsApp (0151-7301618) bestellen.

Bis Ende August noch in regelmäßigem Turnus online: „Vorgelesen bekommen“ jeden Dienstag auf Instagram um 19.30 Uhr (am 17.08. mit Lubi Barre in der English Edition, am 24.08. mit Roma Mukherjee und am 31.08. dann bilingual mit Pauline Krawehl live aus Schottland). Ab September (so es die aktuelle Lage zulässt) kehrt „Vorgelesen bekommen“ dann zu seinen Wurzeln zurück: Die Reihe wird wieder live im Lesesaal stattfinden, ein Mal im Monat (ab jetzt stellen wir zu dritt die Buchtipps vor). Wir planen die Reihe auch hybrid zu installieren und somit on- und offline Tickets anzubieten. Zu besonderen Anlässen werden wir natürlich auch wieder etwas live auf Instagram anbieten. Wir halten euch informiert.

In Zusammenarbeit mit einem Partner aus der Hafencity planen wir eine neue Veranstaltungsreihe – dazu bald mehr.

Für Ende September und den Oktober haben wir noch mehr Lesungen im Programm – für Kinder und auch für Erwachsene. Seit der Pandemie sind Planungen deutlich kurzfristiger und Flexibilität ist gefragt. Das kennt ihr sicherlich schon.

Eine Ankündigung haben wir noch und wir hoffen, dass ihr euch besonders, wie wir auch, über diese Neuigkeit freut: Am 30. September 2021 eröffnen wir endlich wieder das Lesesaal Café! Bis Ende Dezember 2021 donnerstags bis samstags von 12 bis 18 Uhr und ab Januar 2022 hat das Café dann wieder regulär von montags bis samstags geöffnet. Es wird „Coffee to go“ (wir arbeiten mit Recup2go, dem bundesweiten Pfandsystem für Becher) und natürlich Kuchen geben. Sollte es zu Schließungen in der Gastronomie kommen, werden wir Kaffee, Kakao und Tee trotzdem „to go“ anbieten – denn zu richtig guten Büchern gehört im Herbst doch unbedingt ein leckeres Heißgetränk.

Zuletzt möchten wir uns herzlich bei euch bedanken! „Richtig viel los“ bei uns war ja nur durch euer Interesse möglich. Vielen Dank, dass ihr unsere Lesungen besucht und durch eure Fragen und Interaktionen bereichert habt. Dies gilt natürlich auch für eure Besuche im Laden, bei denen es sehr schön war, mit euch ins Gespräch zu kommen, eure Fragen zu beantworten, euch Bücher empfehlen zu dürfen oder einfach einen netten Plausch zu halten. Bis ganz bald an der Stadthausbrücke!

Roma Maria Mukherjee

roma.mukherjee@lesesaal-hamburg.de

BLOG no 56 von Roma Maria Mukherjee

9. August 2021Blog

Happy Birthday, Theodore Dreiser!

Etwas verspätet, dennoch wollten wir dieses Datum nicht untergehen lassen: Theodore Dreisers Geburtstag jährte sich am 07. August 2021 zum 150. Mal.

Wer sich im Lesesaal die vorhandenen Ausgaben der „Anderen Bibliothek“ bereits angeschaut hat, der hat sicher auch „Sister Carrie“ von Theodore Dreiser entdeckt. 2017 dort in einer wunderschönen Ausgabe erschienen. Beim Preis von 42 Euro stockt vielleicht dem oder der einen Leser:in der Atem, aber dieses Buch-Kunstwerk ist jeden Cent wert.

Zunächst zum Autor Theodore Dreiser: Er wurde im Jahr 1871 geboren. Sein Vater stammte aus der Eifel. Dreiser hat als Journalist gearbeitet und kam nach einigen Umwegen nach New York. Kurz nach seiner Ankunft 1894 begann der Schriftsteller mit seiner Arbeit an „Sister Carrie“. Der Roman wurde 1900 veröffentlicht und zählt zum Kanon des sogenannten „Amerikanischen Naturalismus“. Das Buch wurde in den 50er Jahren verfilmt. Protagonist:innen sind Carrie und Hurstwood, die eine gegenläufige (X-förmige) Entwicklung während der Romanhandlung durchmachen. Eine detaillierte Romanbeschreibung könnt ihr hier lesen.

Theodore Dreiser veröffentlichte noch weitere Romane, so wie beispielsweise die „Trilogie der Begierde“ (deren dritter Band erst mit großem zeitlichen Abstand entstand) und „Das Genie“. Sein Stil war in der Literaturwelt nicht unumstritten. Insbesondere der Aufbau seiner Werke wurde vielfach kritisiert. Demgegenüber steht, dass seine Bücher von einem besonderen psychologischen Einfühlungsvermögen gekennzeichnet seien, die sich dann positiv im Stil und der Charakterisierung seiner Figuren wiederfinden ließen. Der amerikanische Schriftsteller starb 1945 in Los Angeles.

Wem dieser Autor bislang noch nichts sagt, der sollte sich gerade mit „Sister Carrie“ beschäftigen, seinem Debüt. Die Geschichte ist ein literarischer Meilenstein in Bezug auf die Entwicklung einer jungen Frau, die Erfolg und sozialen Aufstieg durchlebt. Zum Zeitpunkt der Erscheinung war dieses Werk wirklich ungewöhnlich und kommt heute noch zu selten vor.

Kennt ihr denn die Geschichte der Buchreihe „Die Andere Bibliothek“, die im Jahr 1984 ihren Anfang hatte und dafür sorgt, dass jeden Monat ein neuer Band erscheint? Den Beginn, die Gründung durch Hans Magnus Enzensberger und dem Verleger sowie Buchgestalter Franz Greno wie auch die weitere Entwicklung könnt ihr in Gänze auf der Webseite der „Anderen Bibliothek“ nachlesen. Folgt einfach dem Link. Jedes der verlegten Bücher ist ein Kunstwerk und neben der literarischen Klasse sind Werke einfach auch ein Augenschmaus für Bibliophile!

Anbei findet ihr noch ein paar Bilder weiterer Titel. Schaut doch einfach mal bei uns in der Buchhandlung an der Hamburger Stadthausbrücke vorbei und nehmt eins der Bücher in die Hand. Ihr mögt sie nicht mehr weglegen – versprochen!

   

Roma Maria Mukherjee

@roma.mukherjee@lesesaal-hamburg.de

BLOG no 55 von Roma Maria Mukherjee

2. August 2021Blog

Kennt ihr schon die Edition Hammeraue?

Noch nicht? Dann wird es aber Zeit! Damit ihr einen Eindruck vom Verlag bekommt, solltet ihr unbedingt diesen Blogbeitrag lesen. Wenn ihr in Hamburg seid, kommt einfach in der Lesesaal Buchhandlung vorbei – dann könnt ihr die Bücher und Postkarten auch direkt vor Ort bestaunen. Warum sich das wirklich lohnt, verraten wir euch jetzt.

Wir fangen mal hinten und nicht vorne an mit den Gründen. 2021 konnte sich Tom Eigenhufe für „Sonnige Grüße aus Ziffernhausen“ in der Kategorie Kinder- und Jugendbücher bei den „Schönsten Büchern Deutschlands 2021“ zu einer der 25 Gewinner:innen zählen. Voll verdient. Es handelt sich um ein wunderbares Leporello-Buch (6 Meter!). 

   

„Auf 10 Doppelseiten bzw. auf einer sechs Meter langen Landschaft werden unsere zehn Ziffern vorgestellt. Dabei gibt es viel zu suchen und zu zählen. Die Illustrationen zum Buch wurden für internationale Ausstellungen ausgewählt: Italien/Bologna, Taiwan, Japan & Iran.“ Dieses wunderbare Buch, welches spielerischen Umgang mit Zahlen ermöglicht, ist für Kindergartenkinder und Vorschulkinder wirklich ein Muss! Einfach aufklappen und entdecken!

Kalenderplakate, Kalender und Postkarten gehören ebenso zum Sortiment wie ein wunderbares Buch über Liebesbakterien. Zu viel Liebe kann man gar nicht bekommen, also sollte man diese Bakterien überall verbreiten. Gerade in der Pandemie einfach ultimativ mit Liebesbakterien gegen Viren. Hilft der guten Laune und dem Optimismus!

 

Neben der Edition gibt es auch noch einen Verein. Dieser setzt sich für Zeichen- und Illustrationskunst ein. Die Ausstellungen der vergangenen Jahre, die der Verein organisiert hat, findet ihr auf der verlinkten Webseite. Es lohnt sich – abseits vom Mainstream sind dort wirklich bereichernde Themen zu finden. Der gemeinnützige Verein hat seinen Sitz in Berlin.

 

Auch einen eigenen Blog findet ihr auf der Webseite der Edition Hammeraue – dort könnt ihr alles nachlesen, seit 2007. Die Webseiten und der Blog sind natürlich ebenso schön illustriert wie die Bücher.

Euch liegen ganz besonders illustrierte, handgebundene und liebevoll illustrierte Bücher am Herzen? Dann habt ihr mit der Edition Hammeraue und dem Verein jetzt eine schöne Symbiose entdeckt, die ihr eben auch als Fördermitglied oder mit einer Spende unterstützen könnt. Auf ein paar weiteren Bildern zeigen wir euch noch einige der Publikationen des Verlags. Wir haben diese auch im Laden und freuen uns auf euer Interesse daran. 

Zum Ende unserer heutigen Verlagsvorstellung möchten wir gerne noch etwas verlosen:

„Illustrierter Oberfett-Luxus Kalender 2021 ‚Sportflieger’“. 

Dieser außergewöhnliche Kalender von 12 exzellenten Illustrator:innen enthält Illustrationen von: Kerstin Hille, Andreas Töpfer, Stepan Ueding, Christina Kuschkowitz, Tom Eigenhufe, Katerina Khlebnikova, Ola Eibl, Masanobu Mitsuyasu, Dorothée Billard, Michael Zander, Ina Hattenhauer & Anja Tchepets – Offset & Siebdruck plus 2 Seiten mit Holoprägung – 5 verschiedene Papiere & 23 Druck-Farben in limitierte Auflage! Der Kalender hat einen Verkaufswert von 35 Euro. Wie ihr mitmachen könnt? Schreibt uns einfach eine Mail bis zum Sonntag, den 08.08.2021 unter Angabe eurer postalischen Adresse (wird nach dem Gewinnspiel gelöscht) und ihr seid im Lostopf! 

Natürlich freuen wir uns wie immer sehr, wenn ihr uns euren Eindruck vom Blogbeitrag und zum Verlag mitteilen mögt.

Habt eine tolle Woche!

Roma Maria Mukherjee

roma.mukherjee@lesesaal-hamburg.de

BLOG no 54 von Roma Maria Mukherjee

26. Juli 2021Blog

Wir lieben Jamaica Kincaid!

Die Zuschauer:innen von „Vorgelesen bekommen“ und diejenigen von euch, die uns auf unseren Social Media Kanälen folgen, haben es vielleicht schon geahnt: Wir sind sehr fasziniert von der Schriftstellerin Jamaica Kincaid.

Unter dem wundervollen Namen Elaine Cynthia Potter Richardson wurde sie am 25. Mai 1949 auf Antigua und Barbuda geboren. Die Autorin erlebte noch das damalige dort vorherrschende englische Schulsystem und im Alter von nur 17 Jahren ging sie nach New York (andere Quellen berichten, sie sei bereits im Alter von 16 Jahren in die USA gegangen), um dort eine Stelle als Au-Pair-Mädchen anzutreten. Dort studierte sie anschließend auch Fotografie. Den Namen Jamaica Kincaid nahm sie 1973 an – sei es, um mehr Anonymität zu wahren oder weil ihre Familie das Schreiben als Beruf ablehnte. Sie schrieb zunächst insbesondere für das Magazin New Yorker. Bald publizierte sie auch in anderen Zeitschriften.

Die Autorin lehrt in Harvard als sogenannte „Visiting lecturer“, ist Professorin am Claremont McKenna College. Ihr Gebiet sind insbesondere afrikanische und afro-amerikanische Studien (neben Sprachen).

Die Besonderheit der Bücher von Jamaica Kincaid sind die eigenwillige Sprache und der autobiographische Ansatz, die in der Verbindung mit ihren eigenen Rollen als Frau, als Schwarze, als Mutter, aber auch als leidenschaftliche Gärtnerin eine ganze eigene Erzählform aufweisen.

Der Schweizer Kampa Verlag gibt die Bücher von der antiguanisch-amerikanischen Autorin in einer sehr schönen und farbenfrohen gestalteten Neuauflage heraus. Übersetzt wurden die Titel von unterschiedlichen Übersetzern und Übersetzerinnen.

Um der Sprache von Jamaica Kincaid nahe zu kommen, empfehlen wir auch allen, die können und mögen, ihre Bücher im englischen Original zu lesen. Einige Titel möchten wir euch heute hier kurz im Blog vorstellen:

„Mein Garten(Buch)“, aus dem Englischen übersetzt von Renate Orth-Guttmann, 272 Seiten, gebunden, 22 Euro, im März 2021 erschienen. In diesem Buch geht Jamaica Kincaid ihrer eigenen Leidenschaft des Gärtnerns nach – ein Buch wie geschaffen für den Sommer. Auch als englische Ausgabe verfügbar.

„Mister Potter“, aus dem Englischen übersetzt von Anna Leube und Wolf Heinrich Leube, 224 Seiten, gebunden, 22 Euro, auch im März 2021 erschienen, sowohl auf deutsch als auch auf englisch verfügbar. Mister Potter ist sowohl eine reale, als auch eine fiktive Person und schon am Namen kann man die autobiographischen Bezüge erkennen. Warmherzig und berührend!

„At the Bottom of the River“, Paperback, in englischer Sprache, 96 Seiten, 12,50 Euro, in der Übersetzung von Sarah Kirsch und Moritz Kirsch, bei Kampa im März 2021 erschienen, € 18,00. Ein schmaler Band, ideal für das Reisegepäck. Wenn ihr dem Link folgt, erfahrt ihr mehr über den Inhalt. Im Lesesaal haben wir den Band derzeit da – ihr könnt also auch einfach per Telefon oder Mail bestellen.

Wir haben euch hoffentlich auf das Werk dieser wunderbaren Schriftstellerin neugierig gemacht. Ihr seid schon Fans von Jamaica Kincaid? Lasst es uns gerne wissen! Wir freuen uns auf eure Nachrichten und auf euren Besuch im Lesesaal an der Stadthausbrücke!

Roma Maria Mukherjee

roma.mukherjee@lesesaal-hamburg.de

BLOG no 53 von Roma Maria Mukherjee

19. Juli 2021Blog

Wir feiern Geburtstag – 1 Jahr Buchhandlungsblog

Wir können es selbst nicht glauben – unser Blog feiert seinen 1. Geburtstag! Im Juli 2020 gingen wir mit dem ersten Beitrag an den Start: „#zweiterfruehling trifft auf Lesesommer“ war unser 1. Beitrag vom 15. Juli 2020. Seitdem haben wir, nahezu wöchentlich, über viele Themen geschrieben: Der Hieronymus-Tag, die Indiecon, die 7. Lange Nacht der Literatur waren ebenso Themen wie das Jaipur Literature Festival in Indien und einige Verlagsvorstellungen wie beispielsweise die Vorstellung des Kröner Verlags, des Steidl Verlags und weiteren Perlen der Buchkunst. Wir möchten uns herzlich für eure Aufmerksamkeit und eure investierte Lesezeit bedanken!

Während des letzten Jahres ist auch viel im Lesesaal Hamburg passiert: 2020 sind wir, zum 4. Mal, mit dem Gütesiegel beim Deutschen Buchhandlungspreis ausgezeichnet worden, waren auf der Shortlist des Buchhandlungs-Blog Awards und wir haben unseren 10. Geburtstag mit der Lesesaal Buchhandlung gefeiert, alles Themen, die wir natürlich hier aufgegriffen haben. Wir versuchen on- und offline aufmerksam für Themen zu bleiben, die euch beschäftigen, uns selbst in verschiedene Zusammenhänge einzuarbeiten und natürlich innovative, neue Formate zu entwickeln wie unser Lyrik-Abo und das Abo mit englischsprachigen Büchern.

Wir sind ein kleines Team, gehen aber mit absoluter Leidenschaft an die Arbeit in der Buchhandlung, den sozialen Medien, auf unserer Webseite und auch bei den Lesungen heran.

Wir freuen uns immer sehr, wenn jemand von euch im Laden vorbeischaut und uns verrät, dass er einen Buchtipp hier im Blog oder bei den Leseempfehlungen entdeckt hat und sich den Titel zulegen möchte. Noch mehr hoffen wir dann, dass die Lektüre euer Lesebedürfnis genau deckt und ihr mit der Anschaffung auch nachhaltig zufrieden seid. Bücher und Literatur sind unser Herzensthema – dafür stehen wir morgens auf und legen uns abends auch mit Buch ins Bett.

Ein Geburtstag wäre aber nichts ohne Feier. Anlässlich unseres Bloggeburtstages möchten wir dies mit einer Verlosung krönen. Wir verlosen unter unseren Blogleser:innen ein Exemplar von „#Antisemitismus für Anfänger. Eine Anthologie“, herausgegeben von Myriam Halberstam im Ariella Verlag. Thema und Verlag liegen uns sehr am Herzen, auch den Ariella Verlag haben wir ja vor einiger Zeit bei uns im Blog bereits vorgestellt.

Wie könnt ihr mitmachen? Schreibt uns bis zum Sonntag, den 25.07.2021 eine Mail an die unten angegebene Adresse mit eurem Namen, eurer Anschrift und welcher Blogbeitrag euch am besten gefallen hat. Der Gewinner/die Gewinnerin wird von uns per Mail benachrichtigt! Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Eure Daten werden nur zum Versand des Gewinns verwendet und anschließend gelöscht.

Unser zweites Jahr mit unserem Buchhandlungsblog möchten wir für euch so spannend wie möglich gestalten. Dafür sind wir auch auf eure Mithilfe angewiesen. Was interessiert euch besonders? Hinter welche Kulissen möchtet ihr einmal einen Blick werfen? Sollten es mehr Verlags- und Werksempfehlungen sein oder besonders auch Themen über die Literaturbranche und den Buchmarkt im Allgemeinen? Wir freuen uns auf eure Zuschriften, wenn ihr bei unserer Verlosung mitmacht und diese auch in euren Kanälen teilt! 

Roma Maria Mukherjee

roma.mukherjee@lesesaal-hamburg.de

BLOG no 52 von Roma Maria Mukherjee

10. Juli 2021Blog

Nicht rasten, etwas bewegen wollen: Der Unrast Verlag

In dem für unser Land historisch bedeutsamen Jahr 1989 entstand im westfälischen Münster ein Verlag, dessen Name schon für die Gründungsidee bedeutsam gewesen ist: der Unrast Verlag. Die Unrast. Dazu finden wir im Duden: „innere Unruhe, inneres Getriebenwerden; Rastlosigkeit, Ruhelosigkeit“. Außerdem als Bemerkung zum Sprachgebrauch: „gehoben“.

Im Untertitel des Verlags lesen wir „Bücher der Kritik“. Zu kritisieren gab und gibt es seit 1989 sicherlich viele gesellschaftliche Vorgänge. Mittlerweile existiert der Verlag mehr als dreißig Jahre und die Themen werden ihm in der nächsten Zeit sicherlich nicht ausgehen. 

Was mit dem „Antifaschistischen Taschenkalender“ im Jahre 1989 begann, ist heute ein Verlag mit breitem politischen Programm, der wesentlich mehr Aufmerksamkeit verdient hat als wir im Netz oder in Läden entdecken können. Daher widmen wir unseren Blogbeitrag heute dem Unrast Verlag und vier von uns ausgewählten Titeln (weitere findet ihr bei uns im Lesesaal). Auf der Homepage des Verlags könnt ihr auch im Zeitraffer die 25 ersten Jahre nachlesen, im Gesamtprogramm stöbern, mehr über die Autor:innen erfahren und viele weitere Eindrücke sammeln.

Das Verlagsprogramm enthält aber nicht nur Titel, die sich mit der deutschen Gesellschaft, Kritik an Normen, der Politik oder aktuellen hiesigen Diskursen beschäftigt, sondern es geht auch um Regionen wie den Nahen Osten, die Türkei, Afrika, Mexiko und indigene Bevölkerungsgruppen, die unterdrückt werden. Ein Blick in die Neuerscheinungen lohnt sich sehr, denn es werden zahlreiche aktuelle mediale Diskursthemen durch das Verlagsprogramm abgebildet.

Vier Titel möchten wir euch besonders ans Herz legen:

  1. Aus dem Jahr 2020 Lyrik von Audre Lorde „Die Quelle unserer Macht“ (zweisprachige Ausgabe englisch/deutsch, übersetzt von Marion Kraft und Sigrid Markmann). Die in dieser Ausgabe enthaltenen Gedichte stellte die Autorin Audre Lorde noch kurz vor ihrem Tod während ihres letzten Berlin-Aufenthaltes selbst zusammen. Liebe und Leidenschaft unter Frauen, aber auch der Kampf um Selbstbehauptung und das Thema Macht werden in der Lyrik der Dichterin zum Thema.

  1. Bereits 2019 ist „Schwarzer Feminismus. Grundlagentexte“, herausgegeben von Natasha A. Kelly, erschienen. In diesem Buch geht es um feministische Debatten mit Texten von Angela Davis, Kimberlé Crenshaw, Sojurnour Truth und weiteren Aktivist:innen und Autor:innen.

  1. Noch tiefer in die Vergangenheit des Verlags (ein Hoch auf die Backlist!) tauchen wir mit dem nächsten Buchtipp ein: „Bobby Sands. Ein Tag in meinem Leben“ erschien bereits 2004 und enthält ein Vorwort des Friedensnobelpreisträgers Seán MacBride. Das Buch wurde übersetzt von Gabriele Haefs. Den Text schrieb Bobby Sands (der mit 27 Jahren an den Folgen seines Hungerstreiks 1981 im Gefängnis starb) auf Toilettenpapier, mit einem Stift, den er in seinem Körper versteckt hielt. 

  1. Aus dem Jahr 2017 stammt der Band „Dekolonisierung des Denkens. Essays über afrikanische Sprachen in der Literatur“ von Ngūgī wa Thiong’o. Übersetzt von Thomas Brückner. Die Essaysammlung des bekannten kenianischen Autoren wird durch weitere Essays afrikanischer Autor:innen und Wissenschaftler:innen aus dem Senegal, Simbabwe, Kamerun und Südafrika ergänzt.

Wir wünschen euch viel Freude beim Stöbern im Programm des Verlags! Möge es euch bereichern und anregen. Für weitere Fragen oder Bestellmöglichkeiten stehen wir euch natürlich gerne zur Verfügung.

Roma Maria Mukherjee

roma.mukherjee@lesesaal-hamburg.de