BLOG NO 14 von Roma Maria Mukherjee

11. Oktober 2020Blog

Kommt mit nach Kanada! 

Kurz bevor sich die virtuellen Pforten der Buchmesse 2020 in Frankfurt öffnen, möchten wir euch schon in das diesjährige Gastland der Buchmesse entführen: nach Kanada!

Das Magazin „Kulturaustausch“ betitelt es in der 4. Ausgabe 2020 so: „Das bessere Amerika. Ein Heft über Kanada“. Aber wieviel wissen wir eigentlich über das Kanada? Und insbesondere: wieviel wissen wir über die Literatur des Landes, welches zwei offizielle Amtssprachen (englisch und französisch) in verschiedenen Landesteilen und zudem auch indigene Sprachen hat? Diese Sprachvielfalt ist ein besonderes Merkmal, das sich in der Kultur- und der Literaturwelt niedergeschlagen hat.

Als bekannt gegeben wurde, dass Kanada das Gastland der diesjährigen Frankfurter  Buchmesse stellt, haben wir uns (und von euch sicher auch einige) erst mal hingesetzt und überlegt, welche Autor:innen des Landes uns spontan einfallen. Allen Schriftsteller:innen voran war das natürlich Margaret Atwood. Und dann?

Je länger wir nachdachten und in unsere Regale schauten, desto mehr Titel und Autor:innen fielen uns auf und ein. Anne Carson, Leonard Cohen, Douglas Copeland, Joy Fielding, Margaret Millar, Alice Munro, Michael Ondaatje, Annie Proulx, Jocelyne Saucier und wir könnten noch länger so weitermachen. Aber haben wir diese ganzen Persönlichkeiten im Rahmen und Kontext Kanadas gesehen und gedacht?

Und was ist mit der jüngeren Literaturszene des zweitgrößten Landes der Welt? Damit haben wir uns im Verlauf des Jahres in unseren Social Media Kanälen zunehmend beschäftigt. Sowohl mit Literatur aus, als auch mit Texten über Kanada. 2020 ist im mairisch Verlag aus Hamburg zum Beispiel „Toronto. Aufzeichnungen aus Kanada“ von Marc Degens erschienen. Der Autor war von 2014 bis 2018 zu einem längeren Aufenthalt dort und hat von Toronto aus das Land erkundet. In dem Journal beschreibt er sowohl seine Reisen durch das Land, aber auch sehr viel über Land, Leute und Kultur. Großartig ist sein Eintrag über ein total verrücktes Peaches-Konzert. Den Band haben wir in einer Folge „Vorgelesen bekommen“ auf Instagram Live vorgestellt.

Ein Highlight des Jahres 2020 war für uns auch die Neuerscheinung (auf dem deutschen Markt) der Autorin Michelle Winters: „Ich bin ein Laster“ bei Wagenbach in der Salto-Reihe. Das Werk haben wir ausführlich im Blog und bei „Vorgelesen bekommen“ vorgestellt und Höhepunkt war die IG Live Lesung in englischer Sprache, die Michelle Winters in unserem Account anlässlich der „Langen Nacht der Literatur“ auf Instagram durchgeführt hat. Diesen Roman können wir euch allen wirklich sehr ans Herz legen (wir haben sowohl das englische Original als auch die Übersetzung vorrätig) Wir sind sehr gespannt auf weitere Werke der Autorin. Einen Ausblick darauf gibt es gerade aktuell in dem oben erwähnten Magazin „Kultur Austausch“ zu lesen: die Erzählung „Der Damm“ von Michelle Winters (übersetzt von Barbara Schaden).

       

Für viel Aufsehen hat 2020 der Roman „Eisfuchs“ von Tanya Tagaq gesorgt. Dieser bei Kunstmann erschienene Roman spielt in der Arktis und berichtet von den Mythen der Inuit und den Problemen einer Kindheit und Jugend in der dortigen Gesellschaft, die von Kargheit, Gewalt und einer sich auflösenden Gesellschaft geprägt ist. Die Musikerin vereint in diesem Buch gekonnt Prosa und lyrische Teile und gewährt uns gerade Einblicke in die Kultur und Lebenswelt der indigenen Bevölkerung, über die wir sicher alle noch viel zu wenig wissen.

Aufgerüttelt hat 2019 auch der Roman „Die Aussprache“ von Miriam Toews (erschienen bei Hoffmann und Campe). Diese von Monika Baark übersetzte Geschichte stammt von einer der wichtigsten Autor:innen der Gegenwartsliteratur Kanadas. Der Klappentext verrät: „Acht Frauen. 48 Stunden Zeit, die eigene Geschichte umzuschreiben. Jahrzehntelang haben sie versucht, mit dem, was geschehen ist, zurechtzukommen. Jetzt haben die Frauen einer abgeschieden lebenden Gemeinschaft die Gelegenheit, alles anders zu machen. Und so ergreifen sie das Wort. Sollen sie bleiben oder gehen? Bleiben sie, dann müssen sie nicht nur angehört werden, sondern auch verzeihen. Gehen sie, müssen sie in einer ihnen gänzlich unbekannten Welt den Neuanfang wagen.“ Auch zu dem Buch können wir sagen: Die Lektüre lohnt sich sehr!

Was man schon an dieser Stelle sieht: Es ist unmöglich, dass Land, die Kultur und insbesondere die Literaturwelt Kanadas auch annähernd in einem Blogbeitrag zu beschreiben. Kanada ist unendlich vielfältig, manchmal überraschend, in einigen Aspekten verstörend und ziemlich überwältigend.

Wie gut, dass die Buchmesse 2020 erst noch beginnt und wir die Gelegenheit haben, noch mehr über das Land zu erfahren. Selbstverständlich werden wir in den kommenden Tagen dazu besonders viel in unseren Social Media Kanälen aufgreifen. Noch besser finden wir, dass Kanada nicht nur 2020 virtuell Gastland sein darf, sondern auch ein nächstes Jahr offizieller Präsenzgast sein wird. Dann werden wir die Möglichkeit haben, noch weitere Neuerscheinungen in Deutschland kennenzulernen.

Wir würden uns sehr freuen, wenn ihr in den kommenden acht Tagen die Präsentationen Kanadas auf der Buchmesse virtuell verfolgt und auch mit uns auf unseren Kanälen kommuniziert.

Seit kurzer Zeit gibt es bei uns die Möglichkeit, Bücher direkt per WhatsApp zu bestellen. Sollte also ein Titel hier euer Interesse geweckt haben, dann könnt ihr ihn unter 01515-7301618 bestellen. Natürlich stehen wir euch dort auch für Fragen zur Verfügung.

Viel Freude beim Entdecken Kanadas im Lesesaal und auf der virtuellen Frankfurter Buchmesse!

Roma Maria Mukherjee

 

 

BLOG no 13 von Roma Maria Mukherjee

5. Oktober 2020Blog

Wanderausstellung im Lesesaal – Die 25 Schönsten Deutschen Bücher 2020

Wer uns in der vergangenen Woche in der Lesesaal Buchhandlung besucht hat, konnte schon einen Blick auf die von der Stiftung Buchkunst durch zwei Expertenjurys gewählten 25 Schönsten Deutschen Bücher 2020 werfen.

Die Stiftung Buchkunst sitzt in Frankfurt am Main und Leipzig. Sie wurde im Jahr 1966 als Stiftung privaten Rechts gegründet, begleitet in Deutschland die Buchproduktion und hat zum Ziel, „das Buch“ technisch und mit Hinblick auf Gestaltung qualitativ zu fördern. Träger der Stiftung sind zum aktuellen Zeitpunkt der Börsenverein des Deutschen Buchhandels e.V., die Deutsche Nationalbibliothek, die Städte Frankfurt am Main sowie Leipzig in ihrer Funktion als Buchstädte. 

                 

 

Neben dem jährlichen Wettbewerb „Die Schönsten Deutschen Bücher“ organisiert die Stiftung Buchkunst regelmäßig die Wettbewerbe „Förderpreis für junge Buchgestaltung“ und „Best Book Design from all over the world“.

Voraussetzung für die Teilnahme am Wettbewerb „Die Schönsten Deutschen Bücher“ ist eine Mindestauflage von 500 Exemplaren und eine ISBN-Nummer. Die am Wettbewerb teilnehmenden Bücher (2020 waren es knapp 700 Titel) werden durch eine beziehungsweise mehrere Jurys beurteilt, die sich aus Fachleuten mit verschiedenen qualifizierten Hintergründen zusammensetzt. Insgesamt 25 Bücher (die Anzahl ist festgelegt) werden prämiert. Eine herausragende ganzheitliche Gestaltung, Konzeption und erstklassige Verarbeitung zeichnen diese 25 Werke aus. Die 25 Bücher sind zugleich die Nominierungen für den „Preis der Stiftung Buchkunst“, welcher mit 10.000 Euro dotiert ist. In diesem Jahr hat „Das Jahr 1990 freilegen“ den Preis gewonnen. Herausgeber:innen sind Jan Wenzel, Anne König, Andreas Rost u.a. Es ist bei Spector Books Leipzig erschienen und enthält unter anderen Beiträge von Martin Gross und Alexander Kluge. Dieser prächtige Band erfreut sich auch bei unseren Kund:innen im Lesesaal großer Beliebtheit.

 

Die 25 Schönsten Deutschen Bücher könnt ihr noch bis zum 17. Oktober 2020 bei uns in der Lesesaal Buchhandlung anschauen. Einen kleinen Einblick erhaltet ihr hier bereits auf den eingefügten Fotos. Die Lesesaal Buchhandlung zeigt diese Ausstellung im Laden bereits seit mehreren Jahren – auch am alten Standort in Eimsbüttel war uns diese Präsentation sehr wichtig. Einige der prämierten Bücher haben wir in den vergangenen Wochen und Monaten in den sozialen Medien in unseren Kanälen bereits vorgestellt. Beispielsweise „Die Wunderkammer der Deutschen Sprache“ und „Die Pfingstrosenlaterne“. Allen Prämierten möchten wir an dieser Stelle herzlich gratulieren und freuen uns darüber, wie hochwertig die deutsche Buchkunst doch ist!

Wir hoffen, euch bald im Lesesaal begrüßen zu können und freuen uns, wenn ihr uns euren Favorit:innen mitteilt! Gerne über Instagram, Facebook und Twitter oder persönlich im Gespräch in der Buchhandlung. Bis bald!

Roma Maria Mukherjee

 

BLOG no 12 von Roma Maria Mukherjee

30. September 2020Blog

Hieronymustag 2020 – Der internationale Übersetzertag

Am 30. September wird der internationale Übersetzertag mit zahlreichen Lesungen von Übersetzern und anderen Veranstaltungen begangen. Der Patron der Übersetzer ist der Heilige Hieronymus, der seinen Gedenktag am 30. September hat.

Sophronius Eusebius Hieronymus wurde im Jahre 347 in Dalmatia geboren und verstarb am 30. September 420 in Betlehem. Der Kirchenlehrer gehört zu den großen Kirchenvätern in der katholischen Kirche, wird aber auch von verschiedenen anderen christlichen Konfessionen als Heiliger verehrt. Hieronymus studierte Grammatik, Rhetorik und Philosophie und wurde zu einem literarisch versierten Theologen, der sich auch intensiv mit abwegigen Werken beschäftigte. Bei seinen Arbeiten nimmt die „Vulgata“ eine besondere Rolle ein. Diese stellte für einen großen Zeitraum die gültige Bibelübersetzung der katholischen Kirche darf. Er beherrschte Latein und Griechisch, sowie (in der Forschung bezüglich der Qualität umstritten) Hebräisch. Neben eigenen verfassten Werken, stehen seine Übersetzungen und seine verfassten Kommentare im Mittelpunkt seines Schaffens.

Übersetzungen – um wieviel ärmer wären unsere Literaturkenntnisse, wenn wir nicht dank weltweiter Übersetzerinnen und Übersetzer in der Lage wären, internationale Bücher und Texte lesen zu können! Die individuellen Kenntnisse würden niemals ausreichen, um den Kanon nur alleine der europäischen Weltliteratur im Original lesen zu können – geschweige denn Werke z.B. indigener Sprachen. Diesem Beruf zollt also der heutige Gedenktag Respekt und Anerkennung. Und auch den unabhängigen Verlagen, die ihre Übersetzerinnen und Übersetzer auf dem Cover nennen – das ist der richtige Platz für sie!

Auf eine ganz außergewöhnliche und wichtige Einrichtung für Übersetzerinnen und Übersetzer möchten wir mit diesem Blogbeitrag aufmerksam machen: das Europäische Übersetzer-Kollegium in Straelen. Diese Einrichtung ist ein Arbeitszentrum für professionelle Literatur- und Sachbuch-Übersetzerinnen und Übersetzer. In seiner Art ist dies weltweit das erste Zentrum und gleichzeitig auch das größte gewesen.

In Straelen können Übersetzerinnen und Übersetzer unter sehr guten Bedingungen arbeiten: Es gibt eine Bibliothek mit 125.000 Bänden (35.000 Lexika in über 275 Sprachen und Dialekten), Computer, LAN in den Appartements und die Möglichkeit zu angeregten Diskussionen unter Kolleginnen und Kollegen. Insgesamt stehen 30 Appartements zur Verfügung. Die Kunststiftung NRW vergibt zudem jährlich den Straelener Übersetzerpreis. 

Für den Aufenthalt bewerben können sich Übersetzerinnen und Übersetzer, die bereits zwei größere Werke (Übersetzungen) publiziert haben und im Auftrag eines Verlages an einer weiteren Übersetzung arbeiten. Eine lange Liste der Projekte, die 2019 dort übersetzt wurden und aus, beziehungsweise in, welche Sprachen übersetzt worden ist, könnt ihr hier anschauen. 

Auch wenn Deutschland als Land der „Dichter und Denker“ gilt – international gab und gibt es wundervolle Werke, die wir als Buchhandlung sehr schätzen und unser herzlicher Dank gilt allen, die sich um die Kunst der Übersetzung verdient machen. Toll, dass es euch gibt!

Roma Maria Mukherjee

BLOG no 11 von Roma Maria Mukherjee

24. September 2020Blog

Steidl Nocturnes – Meisterwerke haptischer Buchkunst

Literatur macht auch im 21. Jahrhundert glücklich, ob ernsthaft oder beschwingt, Feuilletons, Radiosendungen und Bookstagram zeugen davon. Kann es wahre Buchkunst ebenfalls noch?

Der heutige Blogbeitrag dreht sich ganz ums Buch. Pardon, um drei Bücher und einen Verlag: dem Steidl Verlag aus Göttingen. Alleine die Straße des Verlagssitzes hat schon literarische Qualität: Es ist die „Düstere Straße“.

Die Geschichte des Verlagshauses ist jedoch alles andere als dunkel. Sie beginnt im letzten Drittel des vergangenen Jahrhunderts. Die Keimzelle war die Siebdruckwerkstatt des Gründers Gerhard Steidl, zu dessen Kunden namhafte bildende Künstler gehörten. Politische Sachbücher, literarische Texte und Kunst- sowie Fotobände erblickten und erblicken seitdem das Licht der Welt, auf denen der Verlagsname „Steidl“ zu lesen ist.

Der Steidl Verlag hält die Rechte am Werk des Nobelpreisträgers Günter Grass, verlegt Werke deutscher und übersetzter Autorinnen und Autoren und fokussiert sich insbesondere auf die besondere Gestaltung der verlegten Werke. Dabei spielt die Auswahl der richtigen Papiersorte eine wichtige Rolle, ebenso das Leinen für den Einband und auch die Gestaltung der Einbände – beides sind für Hände und Augen ein Genuss und stellen in der Landschaft verlegter Bücher eine hochwertige Besonderheit dar. Der Verleger selbst wählt aus und diese Hingabe zum Buch spürt man auch, wenn man ein Steidl-Werk in Händen hält.

An dieser Stelle möchten wir die Reihe Steidl Nocturnes mit den drei Bänden „Der Fall Moosbrugger“ von Robert Musil, „Das Geisterschiff“ von Richard Middleton und „Tamango“ von Prosper Merimée vorstellen. Die relativ schmalen Bände (alle mit exakt 128 Seiten) haben einen festen Leineneinband, ein Lesebändchen und die gedeckten Farbtöne changieren ein wenig. Die Covergestaltung ist sowohl typographisch als auch in der bildlichen Gestaltung reduziert und künstlerisch zugleich. Beim genauen Betrachten der Bilder erkennt man sehr feine Details. Diese Zeit der Betrachtung solltet ihr euch unbedingt nehmen.

         

Der Herausgeber des Bandes „Der Fall Moosbrugger“ von Robert Musil, Andreas Nohl, ist Schriftsteller und Übersetzer. Der genannte Band enthält sowohl Auszüge aus dem unvollendeten Roman „Der Mann ohne Eigenschaften“ als auch im Anhang einen Text von Karl Kraus aus „Die Fackel“ (Zeitschrift) von 1911 und ein Nachwort von Karl Corino, der über das Frühwerk Musils promoviert hat.

Worum geht es in „Der Fall Moosbrugger“? Es handelt sich um einen historischen Kriminalfall. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde ein bereits zuvor wegen des gleichen Delikts verurteilter Mörder rückfällig und ermordete eine weitere Frau in Wien. Im unvollendeten Roman „Der Mann ohne Eigenschaften“ gibt es Agathe, Clarisse und Ulrich, die den Mörder als unverstanden betrachten und der Meinung sind, ihm helfen zu müssen. Der Täter wird befreit, in einem Versteck untergebracht, betreut nur von einer einzelnen, weiblichen Person. Die Erzählung beleuchtet nun die weiteren Verläufe, die jeweils am Rand einer Katastrophe balancieren und vollständig zu eskalieren drohen – „Der Fall Moosbrugger“, ein wahrer Kriminalfall, der durch Musils Schreiben in den Kanon der Weltliteratur eingegangen ist.

Diesen und die beiden anderen Bände der Reihe möchten wir euch allen sehr ans Herz legen. Ihr haltet wahre Kunst in den Händen! Schaut gerne vorbei und gönnt euch einen Blick auf die Bücher. 

Roma Maria Mukherjee

BLOG no 10 von Roma Maria Mukherjee

16. September 2020Blog

Die Magie des Vorlesens

Erinnert ihr euch noch an die Abende als Kind, wenn ihr schon im Bett gelegen habt und eure Eltern ein Buch zur Hand genommen und euch etwas vorgelesen haben? Oder verregnete Sonntage im Herbst, gemütlich in eine Decke gekuschelt auf dem Sofa, Kakao und Plätzchen nebendran und es wurden Bilderbücher angesehen? Vielleicht habt ihr inzwischen selbst Kinder und eigene Vorleserituale entwickelt. Hauptsache die Liebe zu den Büchern, zur Sprache und zur Magie der Geschichten hat bei euch einen Platz im Alltag.

Die „Stiftung Lesen“ schreibt auf ihrer Homepage „Es fängt mit Lesen an“. Wir präzisieren: „Es fängt mit dem Vorlesen an“. In unserer unabhängigen Buchhandlung nehmen deshalb Bilderbücher räumlich einen großen Platz ein. Wir führen eine große Auswahl an Bilderbüchern, in deutscher und englischer Sprache – für die ganz Kleinen, das Vorschulalter, jedoch auch für die Altersstufen darüber hinaus bis hin zu wunderbar illustrierten Werken, die auch Erwachsene ansprechen.

Das Vorlesen und Bücher gemeinsam ansehen hat spürbare Auswirkungen auf die Entwicklung von Kindern, weit über die alleinige Vorbereitung auf die Kulturtechniken Lesen und Schreiben hinaus. Wahrnehmung wird geschult mit Wimmelbildern, der orale Sprachschatz wird erweitert, aber auch viele ethische Fragen werden altersgerecht behandelt und wirken sich auf das Empfinden von Kindern aus.

Wir lieben es, wenn wir euch Kinderbücher vorstellen dürfen, insbesondere die Werke der kleinen und unabhängigen Verlage, die mit viel Leidenschaft tolle Werke mit sehr künstlerischen Illustrationen und guter Sprache herausgeben. Wir freuen uns sehr, Erzieherinnen und Erzieher, Lehrerinnen und Lehrer, aber auch Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten zu unserer Kundschaft zählen zu dürfen, die diese Werke beruflich einsetzen. Sehr gerne stellen wir ihnen und euch Neuerscheinungen im Laden vor und beraten euch gerne bei der Auswahl zu den von euch gesuchten Themen!

     

Das Vorlesen ist aber nicht alleine auf das Kindesalter beschränkt. Hörbücher erfreuen sich ja in den letzten Jahren besonderer Beliebtheit – Augen schließen und einfach nur zuhören – das hat in einer von bewegten Bildern überfrachteten Alltagswelt ganz neue Qualitäten zu bieten. Um auch Erwachsene weiterhin für das „Vorlesen“ und das „Vorgelesen bekommen“ zu begeistern, hat der Lesesaal bereits zu Beginn in Eimsbüttel im September 2011 die monatliche Reihe „Vorgelesen bekommen“ ins Leben gerufen. Jeweils einmal pro Monat wurden zu viert 8 Titel an einem Abend vorgestellt, eingeordnet und daraus vorgelesen. Die Reihe wurde in den neuen Räumlichkeiten an der Stadthausbrücke fortgesetzt. Jeden ersten Dienstag im Monat – bis die Pandemie begann.

Krise als Chance – die Reihe ging dann digital in die Offensive. Zweimal pro Woche, jeweils dienstags und freitags um 19.30 Uhr, stellen das Lesesaal-Team und viele tolle Menschen aus der Buchbranche auf Instagram Live jeweils zwei Titel auf unserem Account vor, überwiegend aus dem Bereich der Belletristik, jedoch auch Lyrik, Essays sowie ab und zu auch mal ein Sachbuch.

Die außergewöhnliche Magie des Vorlesens auf diese Weise dauerhaft in den Alltag zu integrieren, macht uns glücklich. Wir würden uns wahnsinnig freuen, wenn ihr das „Vorlesen“ auch als Erwachsene auf diese Weise für euch wieder neu entdeckt und in Buchhandlungen (oder natürlich auch in Bibliotheken) nach Werken stöbert, die sich ganz besonders dafür eignen, um bei euch am Küchentisch, im Wohnzimmer oder im Bett gemeinsam laut gelesen zu werden.

Am 20.09.2020 findet der nationale „Tag des Kindes“ statt und ist in diesem Jahr zeitgleich mit dem verschobenen „Welttag des Buches“ – ein wunderbarer Tag, um die Liebe zu Büchern und zum Vorlesen zu begehen. Mehr Informationen der Stiftung Lesen zu bundesweiten Aktionen findet ihr hier.

Am 20.11.2020 findet dann der nächste bundesweite Vorlesetag statt. Zu beiden Anlässen haben wir dann natürlich auch etwas im Netz parat für euch.

Einige Fotos von ausgewählten Bilderbüchern präsentieren wir euch hier als Begleitung zu unserem Beitrag.

Wir wünschen euch einen wunderbaren Herbst mit vielen besonderen Vorlesemomenten!

Roma Maria Mukherjee

 

BLOG no 9 von Roma Maria Mukherjee

7. September 2020Blog

Hamburg – ein literarisches Indie-Wochenende

Das gerade zurückliegende Wochenende war ein wirkliches Highlight für Literatur- und Buchliebhaber*innen. Im Oberhafen lief seit der Eröffnung am Freitag die Indiecon. Das „Independent Publishing Festival“ hatte in zwei Hallen um die 90 Aussteller*innen und präsentierte tolle kleine, unabhängige Buch- und Magazinverlage. Stephanie Krawehl hat vor Ort bei „Coffee & Publications“ die Gelegenheit gehabt, mit vielen unabhängigenVerlagen zu sprechen. 

Die Vielfalt und Diversität in diesem Bereich ist enorm und eine wahre Freude, den engagierten Verleger*innen vor Ort zu begegnen. Einige Werke davon haben wir ja bereits im Laden und auf der Suche nach neuen Überraschungen für unsere Kund*innen sind wir auch immer wieder begeistert von all’ dieser liebevollen Verlagskunst. Es war toll, liebgewonnene Verlage wie textem /Hamburg, den JaJa Verlag /Berlin, Punktum, Argument Verlag/Hamburg und das Magazin Literarische Diverse /Berlin zu treffen und auch neue Verlage und Produkte zu entdecken, wie zum Beispiel das Magazin von Ruhm & Ego /Hamburg und die Bücher der PalmArtPress /Berlin.

Die Messe war von den Organisator*innen sehr umsichtig vorbereitet worden. Tickets waren kostenfrei. Im Vorfeld musste man sich online registrieren und konnte einen Slot von einer Stunde reservieren. Dadurch war nichts überlaufen, die Saaltüren waren die ganze Zeit über geöffnet, die Räume somit optimal durchlüftet und überall gab es Desinfektionsspender. Die Stände hatten auf ihren Ausstellungstischen Rahmen aus Holz mit Folie als Schutz, die wie Bilderrahmen wirkten und der Veranstaltung somit auch noch einen kreativen Rahmen gaben. Die Stimmung war trotz der Einschränkungen durch die Pandemie gut, alle waren froh, dass mit den besonderen Rahmenbedingungen die Indiecon dieses Jahr überhaupt stattfinden konnte.

Am Samstag lief parallel die Hamburger 7. „Lange Nacht der Literatur“. Es gab weniger Leseplätze als in den vorherigen Jahren. Und doch fanden vom Nachmittag bis in den Abend verschiedene literarische Veranstaltungen live und digital statt. Die Lesesaal Buchhandlung hatte sich dieses Jahr im Vorfeld dazu entschlossen, 2020 ausschließlich digital teilzunehmen. So fanden Gespräch und Lesung der kanadischen Autorin Michelle Winters („I am a truck“/“Ich bin ein Laster“, übersetzt von Barbara Schaden, Wagenbach 2020) in englischer Sprache live auf unserem Instagram-Kanal statt. Noch nie war es so einfach, eine Lesung „über den großen Teich“ zu organisieren. Dieses Format, und auch nur dieses, ermöglicht es allen Interessierten, im Anschluss an die Veranstaltung das Gespräch noch kostenfrei ansehen zu können und zwar hier. Vielleicht wisst ihr es – der Lesesaal präsentiert jedes Jahr während der Langen Nacht der Literatur eine Autorin aus dem Gastland in Frankfurt.

               

Wir hoffen, ihr hattet ebenfalls ein tolles Wochenende und freuen uns darauf, euch im Herbst im Laden zu sehen oder mit euch via Social Media kommunizieren zu können!

Roma Maria Mukherjee

Photos von der Indiecon: Eberhard Schlie

 

BLOG no 8 von Roma Maria Mukherjee

2. September 2020Blog

Plötzlich Herbst – Bücher, Events, Preisverleihungen

Eine knappe Woche ist seit dem letzten Blogbeitrag vergangen und schon befinden wir uns in einer neuen Jahreszeit: es ist Herbst geworden. Für Buchliebhaber*innen ist das eine wundervolle Jahreszeit. Wenn die Tage kürzer werden, die Couch, eine warme Decke und heiße Getränke auf uns warten. Dazu erscheinen viele neue Bücher, denn der Herbst ist ja auch Buchmessenzeit.

2020 läuft anders ab als die Jahre zuvor. Die Buchmesse findet überwiegend digital statt, einige kleinere Verlage haben Veröffentlichungen in das nächste Jahr hinein verschoben und zahlreiche Veranstaltungen werden nicht oder nur mit sehr eingeschränkter Teilnehmer*innenzahl stattfinden können. Jedoch hat sich gerade die Buchbranche seit März mit viel Kreativität den Herausforderungen der Pandemie gestellt und hat eine Menge auf die Beine gestellt. Es gibt trotz allem zahlreiche Neuerscheinungen, interessante Hybrid-Veranstaltungen, Wettbewerbe und Preisverleihungen. Einige stehen noch aus.

Die Neuerscheinungen werden, so wie in den vergangenen Monaten, bei uns weiterhin auf unseren Social Media Kanälen und insbesondere bei unserem Instagram Live Format „Vorgelesen bekommen“ von uns mit viel Leidenschaft präsentiert. Am 29. September dürfen wir euch voller Stolz bereits die 50. Folge von „Vorgelesen bekommen“ präsentieren. Dafür bereiten wir derzeit ein Special vor und freuen uns sehr, wenn ihr euch an dem Abend zuschaltet. Wir werden euch im Vorfeld den Mund ordentlich wässerig machen.

Neuerscheinungen werden wir im Herbst und Winter mit ausführlichen Blogbeiträgen hier auf unserer Webseite würdigen – derzeit stehen hier noch Veranstaltungen, Veränderungen und Informatives aus dem Netz im Vordergrund.

Zum Thema Hybrid-Veranstaltungen: Am vergangenem Montag, den 31. August, hat das Literaturhaus Hamburg den „Longlist-Abend“ des Deutschen Buchpreises 2020 in solch einem Format veranstaltet. 13 der 20 nominierten Autorinnen und Autoren haben sich auf der Bühne der Akademie der Freien Künste einem Gespräch und einer etwa zehnminütigen Lesung aus ihren nominierten Werken gestellt. Es gab eine limitierte Anzahl von Zuschauer*innen im Saal und mehr als 200 Personen, die von ihrem Zuhause aus den Livestream verfolgt haben, wofür man bis kurz vor der Veranstaltung online Tickets erwerben konnte. Technisch lief der Livestream (fast) sehr gut. Aus unserer Sicht kann dieses Format richtungsweisend für die Zukunft sein. Denn so haben viele Menschen die Gelegenheit, an einer besonderen Veranstaltung teilzunehmen, auch wenn sie nicht vor Ort sein können. 

Nicht Hybrid, dafür aber ausschließlich digital, wird unsere Lesung anlässlich der „7. Langen Nacht der Literatur“ in Hamburg am kommenden Samstag laufen. Wir hatten bereits im letzten Blogbeitrag etwas dazu geschrieben und halten das Thema hier noch mal präsent: Am Samstag, den 05.09.2020 um 18.00 Uhr könnt ihr das Gespräch und die Lesung mit Michelle Winters, live aus Toronto, Kanada, auf unserem Instagram-Account verfolgen: https://instagram.com/lesesaal_hamburg?igshid=7ibims3hvnjb Gemütlich vom Wohnzimmer aus, Chips oder Naschereien dazu und der außergewöhnlichen Geschichte von „Ich bin ein Laster“ („I am a truck“, die Lesung findet in englischer Sprache statt) gebannt lauschen. 

Am Wochenende findet in Hamburg gleichzeitig die 7. „Indiecon“ statt. Das „Independent Publishing Festival 2020“ findet am Oberhafen statt und im Mittelpunkt stehen die unabhängigen Verlage und ihre wundervollen „Indiebooks“. Zur Webseite gelangt ihr hier. Im Jahr der Pandemie eine besondere Herausforderung. Tickets für Besucher*innen gab es (inzwischen fast ausgebucht) auf der Webseite kostenfrei, man musste sich jedoch registrieren und die Tickets erlauben den Eintritt auch nur für jeweils exakt 1 Stunde. Wir sind gespannt, wie das vor Ort laufen wird und freuen uns sehr auf die Messe. Stephanie Krawehl als Inhaberin des Lesesaals ist natürlich unabhängig von diesem Buchungssystem vor Ort, für Gespräche mit den Aussteller*innen, aber ich bin für die Social Media Berichterstattung als Besucherin dort und werde berichten, wie das Ticketing dann funktioniert hat. Alle die Tickets reserviert haben wurden gebeten, diese bitte zu stornieren, falls sie absehen können, dass sie nicht erscheinen werden. Falls ihr also bislang noch kein Ticket ergattern konntet – vielleicht gibt es ja in den nächsten Tagen kurzfristig noch die Chance auf diese Weise die „Indiecon“ besuchen zu können.

Wir „sehen“ euch dann auf Instagram, bei der Indiecon oder lieber noch direkt im Lesesaal an der Stadthausbrücke!

Roma Maria Mukherjee

BLOG no 7 von Roma Maria Mukherjee

28. August 2020Blog

Buchblog-Award 2020 – #Bubla2020

Was haben wir uns diese Woche gefreut – wir wurden für den Buchblog-Award 2020 mit unserem Instagram Account nominiert! Das bedeutet uns wahnsinnig viel, arbeiten wir doch seit 2019, und besonders verstärkt seit Januar 2020, an diesem Kanal und auch auf vielen anderen Social-Media-Aktivitäten. Bis zum 08. September könnt ihr uns unterstützen und uns noch eure Stimme geben und zwar hier.

 

 

Was genau ist denn der Buchblog-Award? 2017 ins Leben gerufen, dient dieser Wettbewerb dazu, den zahlreichen Buchblogs und Social-Media-Kanälen von Buchblogger*innen gebührende Aufmerksamkeit zu verschaffen, die sich mit ihrem Engagement rund um Bücher und Literatur in der Buchbranche verdient gemacht haben und dabei das Buch in den Vordergrund stellen (wo es als Medium mit Tradition doch ganz sicher auch hingehört). Veranstalter sind Net Galley (Online-Plattform für digitale Leseexemplare) und der Börsenverein des Deutschen Buchhandels. Mehr zu den Veranstaltern findet ihr wiederum hier.

Kurz gesagt: Das Schreiben über das Schreiben von Profis, Semi-Profis und anderen Bibliophilen kommt bei diesem Award zusammen.

Der Award wurde zunächst in den Kategorien „Bester Buchblog“ und „Bester Newcomer“ verliehen. Seit 2019 gibt es auch noch die Kategorien „Bester Buchhandelsblog“ (muss von einer Buchhandlung betrieben werden) und „Bester Verlagsblog“ (muss von einem Verlag geführt werden). Bei den ersten beiden Kategorien entscheidet eine Jury mit (die Mitglieder der Jury könnt ihr hier näher kennenlernen), bei den letzten beiden entscheidet das Publikum, also ihr. Jeder kann insgesamt vier Stimmen vergeben (vier Nominierungen): Für jede der vier Sparten könnt ihr also jemanden nominieren.

Es ist übrigens als Buchhandlung und als Verlag auch erlaubt, sich selbst zu nominieren. Die einzelnen Phasen des Awards und was während des jeweiligen Zeitraums passiert, könnt ihr auf der Webseite des Awards nachlesen. Die diesjährigen Preisträger*innen werden im Oktober digital, im Rahmen der Frankfurter Buchmesse, gekürt.

Es sind in allen vier Bereichen wirklich ganz tolle Blogs und Social-Media-Accounts dabei, die Bücher als ihre Leidenschaft begreifen und sicher die „Liebe zum Buch“ ganz exzellent vermitteln. In der Kategorie „Bester Buchblog“ sind teilweise Accounts mit ganz fantastischen, kreativen und sehr witzigen Fotos und Videos dabei. Diese sind sicher auch außerhalb der Branche sehr inspirierend.

Wir würden uns sehr freuen, wenn ihr euch den Award näher anschaut. Wir weisen hier zum Abschluss noch mal auf unseren Instagram-Account hin und wären natürlich sehr glücklich, wenn ihr in der Sparte „Bester Buchhandlungsblog“ für die Lesesaal Buchhandlung stimmt. Wir wünschen allen nominierten Blogs „bonne chance“!

Habt ein wunderbares Wochenende – meteorologisch ja wohl das letzte Sommer-Wochenende!

Roma Maria Mukherjee

 

 

BLOG no 6 von Roma Maria Mukherjee

22. August 2020Blog

Die 7. „Lange Nacht der Literatur“ in Hamburg

Lesungen in der ganzen Stadt verteilt, kreuz und quer durch Hamburg fahren, laufen, literarische Orte überall: Das ist das Konzept der „Langen Nacht der Literatur“ seit 2014, immer am 1. Samstag im September. In diesen unseren Zeiten eine Herausforderung, die Nacht auch in diesem Jahr mit Kompromissen und kreativen Lösungen umzusetzen.

Insofern überrascht es nicht, dass dieses Jahr weniger Veranstaltungen stattfinden werden als im Vorjahr. Dennoch gibt es ein stolzes Programm und die Quantität wird durch das Engagement der Hamburger Literaturszene ausgeglichen: Am 05. September 2020 gehört die Stadt der Literatur und den Büchern. Nicht nur die Stadt wird erobert – es gibt auch virtuelle Veranstaltungen. So öffnet sich diese regionale lange Nacht auch all’ denjenigen, die an anderen Orten Deutschlands und der Welt des Nächtens in Begegnung mit Autor*innen, Buchhandlungen und Leser*innen kommen möchten. Das gesamte Programm findet ihr hier im Netz: http://www.langenachtderliteratur.de/index.php – section-program

Programm gibt es aber nicht nur in der Dunkelheit, denn tagsüber läuft in Hamburg schon die Indiecon 2020 (Independent Publishing Festival) im Oberhafen, sondern auch literarisches Programm für die Kleinen und Großen. So zum Beispiel am Nachmittag im Taucher-Zentrum-Hamburg – dort findet eine Lesung für Kinder statt mit Gerhard Wegner.

Der Lesesaal hingegen setzt seinen Weg in die virtuelle Welt an diesem Abend fort. Wie in jedem Jahr gibt es bei uns eine Lesung mit einer Autorin aus dem Gastland in Frankfurt. Dieses Jahr ist es Kanada. Kanada wird dieses Jahr aufgrund der Einschränkungen nicht in der Art und Weise vor Ort sein können, wie alle anderen Gastländer das in den Vorjahren praktiziert haben, sondern hauptsächlich virtuell. Der geplante Gastauftritt wird im kommenden Jahr nachgeholt. Kanada hat also zwei Jahre den Status des Gastlandes. Das Internet macht jedoch möglich, eine Lesung mit einer kanadischen Autorin unkompliziert stattfinden zu lassen: bei Instagram Live.

Um 18.00 Uhr deutscher Zeit liest und spricht Michelle Winters aus/über ihren Debütroman „Ich bin ein Laster“ in unserem Instagram-Account https://instagram.com/lesesaal_hamburg?igshid=59d06ppsjp3r

Die Lesung findet in englischer Sprache statt (der englische Titel lautet „I am a truck“ und ist 2016 erschienen), Stephanie Krawehl moderiert.  Wir freuen uns sehr, dass wir von der Tradition, einen Beitrag aus dem Gastland der Buchmesse präsentieren zu können, nicht abweichen müssen. Da bei Veranstaltungen vor Ort Abstandsregeln eingehalten werden müssten, können wir virtuell viel mehr Zuschauer*innen die Gelegenheit geben, die Autorin live zu erleben.

Zur Autorin: Michelle Winters lebt in Toronto und ist als Autorin, Malerin und Übersetzerin tätig. In ihrem Erstlingswerk geht es um eine skurrile Liebesbeziehung, einen Kriminalfall, kuriose Wendungen und die Spannung zwischen französischem Folk und kanadischem Rock. Lasst euch mitreißen, wenn die Autorin aus dieser außergewöhnlichen Geschichte liest. 

Der Roman „Ich bin ein Laster“ ist im März 2020 bei Wagenbach erschienen – auch hier gilt wieder die Kampagne #zweiterfruehling. Der Roman wurde aus dem kanadischen Englisch von Barbara Schaden übersetzt. Die schöne Ausgabe in der Reihe Salto hat 144 Seiten, ist in rotes Leinen gebunden mit Lesebändchen und Prägung – auch für die Augen und haptisch ein Genuss!

Wir freuen uns auf euren virtuellen Besuch am Samstag, den 05.09.2020 um 18.00 Uhr auf unserem Instagram-Account und wünschen euch viel Vergnügen bei der #LNDLHH20.

Roma Maria Mukherjee

BLOG no 5 von Roma Maria Mukherjee

15. August 2020Blog

#womenintranslation

Seit 2014 ist der Monat August der #WITmonth – „womenintranslation month“ (was so viel heißt wie „Monat der übersetzten Autorinnen“). Diese Initiative geht zurück auf die Buchbloggerin Meytal Radzinski. Diese stellte fest, dass die Übersetzungen weiblicher Autorinnen auf dem Buchmarkt und in der Branche einige Probleme haben, wenn sie nicht in englischer Sprache schreiben. Für viele Betroffene gestaltet es sich als schwierig, einen Verlag und eine entsprechende exzellente Übersetzung im englischsprachigen Raum zu finden – um das kurz auf einen Nenner zu bringen. Im Netz gibt es einige ganz hervorragende Beiträge zu dem Ursprung dieser Aktion. In englischer Sprache gibt dazu einen Beitrag, unter vielen, von 2019 von Aaron Robertson bei Literary Hub https://lithub.com/welcome-to-women-in-translation-month/.

Auch in Deutschland berichten einige Blogger*innen über diese Initiative und deren aus den vergangenen Jahren stammenden Beiträge lassen sich einfach per Suchmaschine unter Verwendung der beiden genannten Hashtags finden.

Die Lesesaal Buchhandlung möchte diese wichtige Initiative von Meytal Radzinski in einem erweiterten Kontext für den deutschsprachigen Raum verbreitet wissen. Die 2014 von der Bloggerin beobachtete Problematik gilt gewiss auch für den deutschsprachigen Markt, in dem es selbst Schriftstellerinnen in Landessprache schwerer haben verlegt zu werden als ihre männlichen Kollegen. Die wichtige Übersetzungsarbeit wird auch sehr häufig nicht genannt, nicht ausreichend gewürdigt und die Übersetzer*innen sind sehr oft leider viel zu unbekannt. Auch hier scheint es so, als wären die weiblichen Übersetzerinnen von dieser Unsichtbarkeit deutlich häufiger betroffen. Das gesamte Phänomen wurde auch sehr ausführlich in einem Zeit-Artikel aus 2016 von Katy Derbyshire beleuchtet. Der Titel lautet: „Der Literaturbetrieb hat ein Problem mit Frauen“.

Das Team vom Lesesaal beobachtet die Literaturbranche genau und stellt fest, dass dieses Problem auch 2020 leider unverändert weiter besteht. Es uns ein Anliegen, ein kleines Stück dazu beizutragen, dass sich daran endlich etwas ändert.

Für den Beitrag zum #WITmonth gibt es hier ein Werk, was sich durch die Aufmachung der Original-Ausgabe und der deutschen Übersetzung wunderbar eignet, um es an dieser Stelle zu zeigen. Wenn ihr euch das beigefügte Foto anseht, dann werdet ihr auf einen Blick erkennen, weshalb. Zunächst aber etwas zum Buch, zur Autorin und zur Übersetzerin.

Das Herz einer Honigbiene hat fünf Öffnungen. Über das Jahr, in dem ich Imkerin wurde“ von Helen Jukes. Das Buch ist aus dem Englischen übersetzt worden von Sofia Blind und die deutsche Übersetzung ist 2018 bei DuMont erschienen (304 Seiten, € 12,00 als TB). Helen Jukes wurde 1984 geboren, hat ein Psychologie-Studium absolviert und arbeitet unter anderem auch journalistisch. Außerdem engagiert sie sich leidenschaftlich für das Wohl der Bienen und der Natur.

 

Zum Inhalt des Buches:

Ohne einen Ort, der sich nach Heimat anfühlt, verliert man Halt im Leben. Ständige Umzüge, wechselnde Liebesbeziehungen, Architektur ohne Seele und Räume ohne Pflanzen – das zermürbt. Dann bekommt Helen Jukes unerwartet eine Bienenkolonie geschenkt. Diese Inobhutnahme verändert ihr Leben von Grund auf. Wodurch dies genau geschieht und wie sie ihr Leben neugestaltet – dafür empfehlen wir euch die Lektüre von diesem Werk.

 

Wie immer interessieren uns eure Ansichten sehr. Kanntet ihr den #WITmonth schon? Vielleicht habt ihr ja darüber auch schon selbst geschrieben oder den Hashtag genutzt. Schreibt uns doch einfach über die sozialen Medien oder lasst uns im Laden und auf anderen Wegen wissen, ob ihr die Problematik des Literaturbetriebs mit Frauen auch wahrnehmt, erlebt oder wie euer Eindruck dazu ist.

Roma Maria Mukherjee