Arundhati Roy „Das Ministerium des äußersten Glücks“, übersetzt von Anette Grube, Fischer Verlag, € 24,00
und
Shyamala Gogu „Das Klagelied des Wasserspeichers“, aus dem Englischen übertragen von Mareike Aepker, Theresa Benkert, Theresia Brasche, Martin Fischer, Friederike Hofert, Sarah Ann-Kathrin Kranz, Julia Königs, Helena Küster, Mareike Ilsemann, Louisa Kuck, Julia Renner, Annabelle Staiger, Laura Strack, Jennifer Thomas, Sara Walczyk, Maike Wender, Constanze Wehnes und Fabienne Weuffen, Löcker Verlag, € 19,80

„Das Ministerium des äußersten Glücks“ führt uns an den unwahrscheinlichsten Ort, um das Glück zu finden. Eine Reihe ausgestoßener Helden ist hier mit ihrem Schicksal konfrontiert, aber sie finden eine Gemeinschaft, sie bilden eine Familie der besonderen Art. Auf einem Friedhof in der Altstadt von Delhi wird ein handgeknüpfter Teppich ausgerollt. Auf einem Bürgersteig taucht unverhofft ein Baby auf. In einem verschneiten Tal schreibt ein Vater einen Brief an seine 5-jährige Tochter über die vielen Menschen, die zu ihrer Beerdigung kamen. In einem Zimmer im ersten Stock liest eine einsame Frau die Notizbücher ihres Geliebten. Im Jannat Guest House umarmen sich im Schlaf fest zwei Menschen, als hätten sie sich eben erst getroffen – dabei kennen sie einander schon ein Leben lang.

In zwölf Erzählungen zeichnet Gogu Shyamala ein eindrucksvolles Bild vom Leben der sogenannten Unberührbaren in den ländlichen Gegenden Südindiens. Ihr Leben ist geprägt vom Kampf gegen Diskriminierung und veraltete Traditionen, aber auch vom Stolz auf die eigene Kultur und Arbeit. Die Geschichten erzählen von rituellen Tänzen und den Rhythmen der Zeremonientrommel, vom Streben nach Bildung und dem Kampf gegen Enteignung, von Auseinandersetzungen mit dem Dorfrat und den Konflikten, die mit einer Kastengrenzen überschreitenden Liebe einhergehen.
Gogu Shyamalas Geschichten erreichen viel mehr als die Peripherie ins Zentrum zu rücken; sie machen die Peripherie zu einem Ort eindrucksvollen Zaubers, der von einer lebhaften Sprache geprägt ist.